Full text: Neueste juristische Literatur (1781, St. 3 (1781))

de nos loix, par M. Servan. 
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Zeit. Es ist eine Ungerechtigkeit, ein grosser 
Mißbrauch in der bürgerlichen Einrichtung, wo 
die Menschen nur allgemeinen, festen und bekann¬ 
ten Regeln, das heißt Gesezen, gehorchen sollen. 
Es ist ferner fehlerhaft in seinen Folgen, denn 
es ist für die Gesezgebung das, was bei einem 
einzelnen Menschen eine Angewohnheit ist; es ist 
Es 
gewöhnlich der gefährlichste Despotismus. 
hat weniger Grenzen und mehr Kräfte als das 
Gesez. Weniger Bestimmung oder Grenzen hat 
es, weil es nicht aufgezeichnet ist, wie das Ge¬ 
sez; denn geschriebene, und noch mehr gedruckte 
Worte sind in Wahrheit eine Linie, die ein Ge¬ 
sez den Angen des Bürgers sehr deutlich um¬ 
zingelt. Gewohnheitsrecht hingegen, das allein 
in einer Art von Tradition besteht, ist so schwan¬ 
kend wie Worte der Menschen. Daß es mehr 
Stärke hat, als das Gesez, ist gleichfalls wahr. 
Der Magistrat gehorcht dem Gesetz aus Ehrfurcht, 
dem Gewohnheitsrecht aus Interesse. Jenes 
kommt vom Gesezgeber und bietet ein Joch dar; 
dieses aber kommt vom Magistrat und reicht den¬ 
selben den Scepter. Welch eine Verschiedenheit; 
wenn man sich selbst sagen kann: diß ist von einem 
andern, und diß ist von uns; so wird im Ge¬ 
richtshof das Gesez respektirt, das Gewohnheits¬ 
recht aber vergöttert. — Nach diesen Betrach¬ 
tungen kommt eine weitläuftige Prüfung eines be¬ 
sondern französischen Edikts über die Giftmische¬ 
rey. Da diß Gesez peinliches und Polizeigesez 
zu= 
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Volage 
Staats 
Max-Planck-Institut für
	        
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