Full text: Neueste juristische Literatur (1781, St. 3 (1781))

552 Reflexions sur quelques points 
mit allem dem, was wir selbst gesehen, gehört 
und empfunden haben. 2. Moralische Gewisheit 
in ihrem Bezug auf die ganze bürgerliche Gesell¬ 
schaft betrachtet, ist die einstimmige Adhäsion 
derjenigen Menschen dieser Gesellschaft, die in 
Rücksicht auf das vorliegende Faktum am mei¬ 
sten unterrichtet und am wenigsten interessirt sind. 
3. Diese Menschen sind bei einem angeklagten 
Verbrechen diejenige, die mit dem Angeklagten 
von gleichem Stande sind; nur muß derselbe eine 
vernünftige bestimmte Freiheit haben, solche, die 
ihm verdächtig sind, verwerfen zu können. 4. Je= 
der angeklagte Bürger hat das Recht, zu einer 
physisch gewissen Strafe nicht anders verdammt 
zu werden, als nach der moralischen Gewisheit 
der ganzen Gesellschaft. Folglich der rechtmässige 
Richter jedes Angeklagten, ist das einstimimige 
Urtheil einer hinlänglichen Anzahl von Bürgern 
seines gleichen, die er selbst anerkannt hat. 
Da der Herr von Vocance zu einer weitern unbe¬ 
stimmten Untersuchung verurtheilt wurde, und die¬ 
se Art zu verfahren, sich auf ein Gewohnheits¬ 
recht in Frankreich gründet; so verwirft der Verf. 
nicht nur diese Verfahrungsart selbst, sondern 
tadelt auch die Gewohnheitsrechte und den Ge¬ 
richtsgebrauch sehr scharf. Gewohnheitsrecht, 
(sagt er S. 140.) ist fehlerhaft in seinem Ur= 
sprung, denn wenn es anfangt, ist es noch kein 
Gesez, noch nicht einmal Gebrauch selbst; denn 
es erhält diesen Charakter erst von der Hand der 
Zeit. 
Staatsbib 
Max-Planck-Institut für
	        
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