Full text: Zeitschrift für die Criminal-Rechts-Pflege in den Preußischen Staaten mit Ausschluß der Rheinprovinzen (Bd. 14 = Jg. 1830, Bd. 1 = H. 27/28 (1830))

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mein arbitrium durch die Stärke und Anzahl der In¬ 
dicien geleitet wird, nur auf eine siebenjährige Zucht¬ 
hausstrafe erkennen. 
Votum Corref. II. 
Ich bin mit dem ersten Richter der Meinung, daß 
unter Concussion jeder Fall verstanden wird, wo Je¬ 
mand durch widerrechtliche Drohungen irgend einer 
Art genöthigt wird, Gelder oder Sachen ohne Vergel¬ 
tung zu geben, und daß also auch das Verbrechen des 
Inquisiten als Conat einer Concussion bestraft werden 
muß. Wäre die Drohung auf Zufügung gefährlicher 
Behandlung gegangen, so würde nach §. 1255. zur 
Verbindung mit §. 1188. und 1197. des C. R. die 
Strafe des Raubes eintreten. Hier aber, wo keine ge¬ 
fährliche Behandlung, sondern bloß eine falsche Anklage 
angedroht wurde, findet auch nur die Strafe des Dieb= 
stahls Statt, und es würde sich eine dreimonatliche 
Zuchthausstrafe rechtfertigen lassen, worauf es jedoch 
in Rücksicht des größern Verbrechens wenig ankommt. 
Die Strafe der falschen Anschuldigung dürfte ausge¬ 
schlossen bleiben, weil dabei immer die Absicht, daß der 
Angeschuldigte eine Strafe leiden solle, vorausgesetzt 
wird, welche bei dem Inquisiten nicht vorausgesetzt wer= 
den kann, da dieser zu der Anschuldigung erst dann 
schritt, als er seine Absicht, Geld zu erpressen, vereitelt 
sah, und um sich selbst von Strafe zu befreien. 
Uebrigens halte ich die gegen den Jnquisiten sprechen= 
den Anzeigen für so dringend, daß ich mit dem Herrn 
Referenten wegen beider Verbrechen auf eine 
zehnjährige Zuchthausstrafe 
er¬ 
Staatsbibliothel 
Max-Planck-Institut für
	        
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