Full text: Zeitschrift für die Criminal-Rechts-Pflege in den Preußischen Staaten mit Ausschluß der Rheinprovinzen (Bd. 24, Suppl.-H. = Rep. 4. Bd.17/24 (1833))

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Diese Behauptung müssen wir als ungültig zurück¬ 
weisen, indem sie einerseits von dem Arzte mehr verlangt, 
als er zu leisten im Stande ist, und andrerseits sein 
Recht, über einen wesentlichen Gegenstand seines Veru¬ 
fes zu urtheilen, leugnet. 
Wie innig auch die verschiedenen Seiten des Lebens 
zusammenhängen und einander gegenseitig bestimmen, so 
stehen sie doch in keinem so unabänderlichen Verhältnisse, 
daß man aus dem Zustande der einen mit völliger Si¬ 
cherheit auf den Zustand der andern schließen könnte, 
vielmehr ist jede derselben in einem gewissen Grade selbst¬ 
ständig, so daß sie bald unabhängig von andern in sich 
gestört seyn, bald bei Störung andrer sich in ihrer Nor¬ 
malität behaupten kann. Der innere, gesunde oder krank¬ 
hafte Zustand einer Lebensthätigkeit läßt sich also nur 
aus deren eigenen Aeußerungen erkennen, und es ist so¬ 
mit dem Arzte schlechterdings unmöglich, „eine Geistes¬ 
störung aus dem zerrütteten Körperzustande wahrzuneh¬ 
men;" denn es giebt keine körperliche Krankheit, welche 
für immer und unbedingt eine Seelenkrankheit nach sich 
zöge: alle die Störungen des Blutlaufs, die Wallungen, 
Stockungen, Congestionen, die Bildungsfehler des Her¬ 
zens oder der Lungen, die Nervenleiden, die Hemmun¬ 
gen der normalen Entwickelung u. s. w., welche in ein¬ 
zelnen Fällen die Freiheit der Seele stören, bleiben un¬ 
gleich häufiger ohne solche Folgen, und es läßt sich mit¬ 
hin aus jenen Unordnungen im körperlichen Leben nur 
die Möglichkeit, nicht aber die Wirklichkeit einer Störung 
des Seelenlebens erweisen. Und so sind hinwiederum 
die Fälle von Seelenkrankheit nicht selten, bei welchen 
man keine Störung der körperlichen Gesundheit entdecken 
und als Grund des Uebels anklagen kann, wie es denn 
A 2 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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