Full text: Niederrheinisches Archiv für Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtspflege (Bd. 2 (1817))

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Daß der Einsender (in Nro. 209 und 210 des Möt¬ 
genblatts) unter der Rubrik Korrespondenz=Nachrichten 
aus Achen datirt, die offenbärsten Falschheiten, aufgetischt 
hat, wollen wir erweisen. Das Uebrige stellen wir dem 
Morgenblatt selbst anheim. — Es beschreibt nämlich Ano¬ 
nymus in den erwähnten Nummern ausführlich genug die 
in Gegenwart Sr. Königl. Hoheit des Kronprinzen von 
Preußen in Achen den 13. August Statt gehabten Kriminal= 
Verhandlungen, und schließt. „Er ((der Präsident) ur 
girte besonders, daß Mitleid bei dem Richter nicht wirken 
dürfe; sondern das Gesetz, und endigte mit einer Anrede 
an die Gerechtigkeit. Die Geschwornen entfernten 
sich zur Berathschlagung, und sprachen ihr 
Unschuldig aus: — — Das ist eine Lüge. 
Nach dem Protokolle erklärten die Geschwornen, 
den 13ten August die des versuchten Kindermords ange= 
klagte Adelheid Dams (21 Jahr alt, Dienstmagd aus 
Appeldorn) und zwar in einer einfachen Majorität 
für schuldig. Da aber nach dem Gesetze (Art. 351) 
bei einer solchen geringen Majorität (von 7 gegen 5) die 
Richter hinzugerufen werden, um unter sich auch über die 
vorkommende Thatsache abzustimmen, und so die Ent¬ 
scheidung zu geben; so trat in obigem Falle eine höchst 
seltene Ausnahme von der Regel ein. Die Richter be¬ 
rathschlagten sich nämlich diesmal, auch über das Faktum 
selbst, und traten nicht der Majorität, welche das Schuldig 
ausgesprochen hatte, sondern der Minorität bei, und 
nur auf diese Weise erhielt Adelheid Dams ihre Freiheit. 
Eine solche schöne, die Menschheit im zweifelhaften 
Falle ehrende Erklärung der Richter und der Geschwornen, 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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