Full text: Niederrheinisches Archiv für Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtspflege (Bd. 2 (1817))

Die Stimme derjenigen, welche zum richterlichen und Ad¬ 
vokatenstande gehören, so wie der Nicht=Juristen ist hier= 
über ungetheilt. Alle bis auf sehr wenige, die wie Herr 
Trittermann denken *), wünschen das öffentliche-münd¬ 
liche Verfahren in Kriminalsachen beibehalten. Alle segnen 
den huldreichen Monarchen, welcher keinesweges aus¬ 
gesprochen hat: 
daß das öffentliche Verfahren gemeinschädlich und 
mit einer gründlichen Rechtsverfassung nicht zu ver¬ 
einbaren sey; 
sondern im Gegentheile die Sache für äusserst zweifelhaft 
hält, und deshalb eine Kommission zur nochmaligen reif¬ 
lichen Vergleichung und Prüfung beider Gerichts=Verfas= 
sungen in unsre Mitte gesandt hat, mit dem Auftrage, 
eben die Oefsentlichkeit des Verfahrens und das Geschwor= 
nengericht zum Gegenstand ihres Gutachtens zu stellen. 
Was rein französisch bloß aus dem Gemüth und Karakter 
der Franzosen hervorgegangen ist, wird kein Deutscher 
gern aufnehmen. Das öffentliche mündliche Ver¬ 
fahren in Kriminalsachen ist aber ursprünglich 
deutsch. Erst von dem fremden, dem kanonischen und 
dem römischen Rechte, ist es ganz verdrängt worden. Es 
ist dem Zeitgeist gemäß. Es ist den Rheinländern theuer 
und werth geworden, und wir sehen es als das Palladium 
der Unschuld und der bürgerlichen Freiheit an. 
Welcher Unbefangene, wenn er sich den Fall als mög¬ 
lich dächte, — und er ist für den Rechtlichsten so leicht 
möglich — daß er einst unschuldig, durch Zufall oder viel 
*) Der Verfasser der Bemerkungen in der Kölnischen Zeitung be¬ 
findet sich erst seit wenigen Wochen am Rhein. 
Vorge 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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