Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 9 (1826))

Beurtheilung 
714 
caria's bekanntes Werk nicht von ihm allein, sondern von 
einer größeren Gesellschaft damaliger italienischer und fran¬ 
zösischer Philosophen herrühre, benutzt hätte. 
- Auffal= 
lend ist es, daß bei Beccaria die Lehre und das Leben 
nicht in Einklang gewesen zu seyn scheinen; man erinnere 
sich nur an die in Jtalien noch circulirende Erzählung, daß 
Beccaria, der seinen Bedienten wegen eines Hausdieb¬ 
stahls in Verdacht hatte, den Unglücklichen in Mailand auf 
die Folter bringen ließ. — Als Hauptverdienst der Kant= 
schen kritischen Philosophie nimmt der Verf. (S. 75-83) 
an, daß Kant die Gränzen der moralischen und rechtlichen 
Jmputation genauer aufstellte. Recht gut macht der Verf. 
(S. 85) aufmerksam, wie diese neuen Anstöße zuerst mehr 
auf die Praxis, als auf die Theorie des Criminalrechts 
wirkten, erinnert (S. 94) an einige in Deutschland weni¬ 
ger bekannt gewordene Werke, die in Holland erschienen, 
und durch die Jdeen Beccgria's angeregt wurden, ebenso 
(S. 98) an die durch die russische Preisfrage von 1773 
veranlaßten Schriften, z. B. von Roussel de la Berar¬ 
dière, und die durch die Berner und die zu Chalons an 
der Marne aufgestellten Preisfragen bewirkten Schriften. 
Der Verf. rühmt es, daß die neueren Bearbeiter des Crimi= 
nalrechts mehr auf die Rechte des Menschen und auf höhere 
Principien Rücksicht nahmen, vorzüglich Grundsätze für 
die Lehre von der Zurechnung aufsuchten, und der Verf. 
durchgeht nun einzelne Lehren des Criminalrechts, beschränkt 
sich jedoch mehr nur auf die Angabe neuerer Dissertationen, 
die darüber geschrieben wurden. 
Rec. hätte gewünscht, 
daß der Verf. mehr die eigentliche Bedeutung der seit 
20 Jahren herrschend gewordenen rein philosophischen Be= 
handlung des Criminalrechts gezeigt, und auf die seit eini= 
gen Jahren gewiß zum Heile für die Gründlichkeit siegen¬ 
den Methode hingewiesen hätte, die Quellen unseres Rechts 
gründlich auf historischem Wege zu erforschen. 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer