Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 9 (1826))

der neuesten criminalistischen Schriften. 685 
tät, Würde des Staats rc. Den Schluß bei dem Verf. 
(S. 536) machen die Polizeiverbrechen, zu welchen der 
Verf. die Gotteslästerung, Fluchen, Schwören, sepulcri 
violatio, Unzuchtsverbrechen, Jncest, Kuppelei, Sodo= 
— Es kann kein Zweifel seyn, daß viele der in 
mie stellt. 
den gewöhnlich gebrauchten Compendien zum Grunde geleg¬ 
ten Classificationen ohne alle Grundlage aufgeführt sind. 
keine klare Uebersicht geben, die Verbrechen unter Gesichts= 
punkte stellen, aus deren consequenter Durchführung sich 
völlig unrichtige Entscheidungen ergeben würden, und daß 
sie vorzüglich aus dem tadelnswerthen Streben hervorgingen, 
bei jedem Verbrechen überall nachzuweisen, welches Recht 
dadurch verletzt sey. Gewiß ist es, daß von den Neueren 
vorzüglich Martin und Roßhirt das Verdienst sich er= 
warben, eine einfachere und mehr den gemeinrechtlichen 
Quellen entsprechende Anordnung zu liefern versuchten; 
und eben so richtig ist es, daß dem Verf. der vorliegenden 
Schrift das Verdienst gebührt, bei seiner Anordnung 
den Forderungen, welche man an eine Classification vorzüg= 
lich in einem Compendium des gemeinen deutschen Criminal= 
rechts machen kann, oft näher als seine Vorgänger gekom¬ 
men zu seyn; allein Rec. kann eine Reihe von Bedenklich= 
keiten, die er gegen die vom Verf. aufgestellte Anordnung 
hat, nicht unterdrücken. 1) Wenn auch die gewöhnliche 
Eintheilung in Staats= und Privatverbrechen auf einer 
sehr schwankenden Grundlage beruht, so möchte es doch be= 
denklich seyn, zum entgegengesetzten Extreme zu kommen 
und alle Verbrechen, ohne Rücksicht ob sie gegen den 
Staat oder Privatpersonen gerichtet sind, durch einander zu 
werfen. Es ist natürlich, daß man Hochverrath, Maje= 
stätsverbrechen und ähnliche Verbrechen neben einander in 
einer Hauptabtheilung wegen ihrer inneren Verwandtschaft 
aufstellt, und Niemandem fällt es ein, in Kap. I. vom 
Hochverrath, in Kap. II. von der Tödtung, in Kap. III. 
von der Nothzucht zu handeln. Durch das Streben des 
Verf. aber, alle anderen Verbrechen unter die Hauptver= 
brechen, vis injuria, falsum zu stellen, ist der Verf. ge= 
nöthigt gewesen, Staats= und Privatverbrechen durch ein= 
ander zu werfen. So erwartet man wohl, daß der Auf= 
Voage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer