Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 9 (1826))

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Beurtheilung 
rer Zeit wohlthätig wirkten. Es ist daher nicht ganz leicht 
auszusprechen, was man auch vom Standpunkte einer 
umsichtigen und gerechten Beurtheilung aus zu den Zeug= 
nissen menschlicher Verirrungen rechnen darf; der Verf. 
selbst warut (S. 5) ne errores dicantur usus illi ae 
mores qui e proprio privoque popularum statu et 
conditione originem ducunt, illique arcte cohae¬ 
rent, a recentioribus vero in vitium tracti sunt. 
Die Abhandlung leidet keinen vollständigen Auszug; der 
Verf. hat mit großer Belesenheit aus den Quellen des Al= 
terthums und der modernen Welt Beweise in reicher Fülle 
gebracht, und in blühendem lebendigem Style gedrängt, mit 
kräftiger Hand seine Bilder gezeichnet. (Die Beweisstellen 
sind erst am Schlusse der Abhandlung angegeben.) Rec. 
will nur Einiges hervorheben. Zu den Jrrthümern der 
Vorzeit rechnet der Verf. (S. 5) den Glauben, daß man 
durch Strafen die Gottheit versöhnen könne und müsse, und 
die Vermischung der Moral mit dem Rechte durch Bestra= 
fung bloßer Sünden als Verbrechen. So zählt (S. 9 rc.) 
der Verf. viele grausame Strafarten der Vorzeit auf, und 
zeigt (S. 10), wie diese Strenge andere Einrichtungen 
sich der Strafe zu entziehen veranlaßte, z. B. Asyle. 
Auch die Compositionen der germanischen Vorzeit, die Got= 
tesurtheile (S. 14), gerichtlicher Zweikampf, die harten 
Strafarten des Mittelalters werden als Zeugnisse der erro= 
rum humani generis angeführt. Scharf getadelt wird 
(S. 19) der Jrrthum, daß man nur recht harte Strafen 
drohen dürfe, um den Verbrechen vorzubeugen; eben so 
(S. 20) die noch an manchen Orten bestehende Strafe 
der Landesverweisung; (S. 21) die Anwendung außer= 
ordentlicher Strafen wegen mangelnden vollen Beweises 
und (S. 22) die Folter. Der Verf. spricht aber auch die 
neuen Gesetzbücher von großen Fehlern nicht frei, (vorzüg¬ 
lich (S. 26) das Generalisiren und das Haschen nach Sy= 
stematisiren und Begriffehäufen, so daß das Gesetzbuch oft 
nicht von einem Compendium zu unterscheiden ist. Kräftig 
(und nach Rec. Ueberzeugung größtentheils richtig) charak= 
terisirt (S. 26—32) der Verf. das franz. Strafgesetzbuch. 
in welchem er sehr erhebliche Fehler findet. — An Stof 
Vonage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin 
eur
	        
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