Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 8 (1826))

Beurtheilung 
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gung wird S. 260-290 gehandelt. — Der zweite Band 
enthält die Anwendung der bisher im 1sten aufgestellten 
Grundsätze auf Jnjurien, und zwar von Genugthuung 
für Jnjurien, welche die physische Existenz begreifen und 
zwar welche die Gestalt und Schönheit einer Person ver= 
letzen, oder es nicht thun. Bei Jnjurien, die auf mora= 
lische Existenz des Jnquirenten sich beziehen, unterscheidet 
der Verf. 1) solche, welche das Gemüth angreifen (S. 74); 
hier wird wieder gehandelt a) von solchen, welche Schrek¬ 
ken und Besorgnisse erwecken, b) oder welche Angriffe auf 
eine Person enthalten (S. 114). 2) Jnjurien, welche 
das Schamgefühl verletzen (S. 137); hier untersucht der 
Verf. sehr sorgfältig (oft mit interessanten Beispielen aus 
der Geschichte) das Schamgefühl der Jungfrau, einer Ehe= 
frau und einer Wittwe, und handelt dann a) von der Ver= 
führung (S. 153); (merkwürdig ist die Anführung ital. 
Statuten, welche, wenn jemand eine Jungfrau verführt 
und sie nicht heirathet, ad emendationem injuriae 
proximiorum ipsius mulieris den Verführer zur Buße 
verurtheilen;) b) von der Schändung (S. 156); c) vom 
Ehebruch (S. 172). 3) Bei den Jnjurien gegen die per= 
sönliche Freiheit werden die Wirkungen und Gradationen 
der durch widerrechtliche Einkerkerung verübten Injurie 
untersucht (S. 185-198). 4) Bei den Angriffen auf 
den Kredit (S. 211) wird scharf zwischen dem finanziellen 
und dem moralischen Kredit unterschieden, und noch speciell 
von der Genugthuung wegen ungerecht impetrirten Seque= 
sters (S. 258) und wegen ungerechter Beschuldigung von 
Verbrechen gehandelt (S. 265). Zur Probe von den An= 
sichten des Verfs. hebt Rec. einige Stellen hervor, wo der 
Verf. (S. 113. 1 Th.) die Nothwendigkeit zeigt, nicht jede 
Aeußerung oder Handlung, welche die Eigenliebe mancher 
Menschen als Beleidigung betrachtet, als bürgerliche Jnju= 
rie anzusehen. Jn diesem Sinne sagt der Vers. (S. 120). 
daß es keine strafbare Jnjurie sey, wenn jemand einem An= 
dern körperliche Fehler vorwirft, die nicht entehren, auch 
keine Jmmoralität voraussetzen, und dem Beschuldigten 
weder Schaden noch eventuelle Nachtheile bringen; wer 
Vorlage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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