Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 8 (1826))

über Strafgattungen und Strafanstalten. 43 
Wächter*) meint, daß sich diese Frage bejahen 
ließe, da die Jnfamie die stillschweigende Folge des 
Verbrechens oder der erkannten Strafart sey, auf 
welche der Richter nie ausdrücklich erkenne, und nur 
bei Beamten eine einzelne Wirkung hervorhebe. 
Allein wir können nicht glauben, daß dies Raisonne¬ 
ment dem Willen des Gesetzgebers gemäß ist. Da 
im Art. 33 —39 von den rechtlichen Wirkungen 
der Freiheitsstrafen, und insbesondere Art. 36—39 
von den Folgen in Ansehung der Ehre die Rede ist, 
da der Gesetzgeber (nach den Regeln der Auslegung) 
dadurch, daß er nur bei höheren Strafarten Folgen 
in Bezug auf Ehre aussprach, seinen Willen an den 
Tag legte, daß bei anderen geringeren Strafarten 
die Ehre des Bestraften nicht angegriffen werden soll, 
da nach Art. 38 der zu geringeren Arten der Frei¬ 
heitsstrafe Verurtheilte während des Vollzugs der 
Strafzeit selbst als Deputirter und Gemeindevor= 
stand gewählt werden kann; so kann doch wohl die 
Jnfamie, die im Sinne des gemeinen Rechts auch 
bei einigen geringeren Vergehen eintreten müßte, 
nicht mehr angewendet werden, um so mehr als be= 
stimmt genug der Art. 50 ausspricht, daß den Ge= 
richten nicht zustehe, auf andere, als die im Edicte 
genannten Strafen zu erkennen, und Jnfamie, wenn 
sie auch nicht als selbstständige Strafart erkannt 
wird, doch in so fern eine Strafe ist, als sie häufig 
größere Uebel für den Bestraften nach sich zieht, als 
die Hauptstrafe, deren Folge sie ist. Eine Bedenk= 
lichkeit kann noch durch Art. 55. 57. veranlaßt wer= 
2) Jn dem Lehrbuche S. 283. 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlir
	        
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