Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 8 (1826))

Ueber culpose Körperverletzungen. 
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phie und Abstraction ein, die in das Criminalrecht 
gebracht wurde. Hier kam der gefährliche Satz 
auf, daß man überall auch die culpa bestrafen müsse, 
weil jeder Bürger die Pflicht habe, Acht zu haben, 
daß er die Gesetze nicht übertrete: welcher Sprung 
von der unrechtlichen Beschädigung zum Verbrechen! 
Jetzt forschte man bei jedem einzelnen Verbrechen, 
wie sich seine culpose Seite ausnähme und bestraft 
werden müsse, und gerieth nicht selten in arge Wi= 
dersprüche, wie z. B. auf einen culposen Betrug! 
warum nicht auch auf einen culposen Diebstahl? 
Da kamen Begriffe und Worte und Gedanken 
auf, von denen keine frühere Zeit (und ünsere Ge= 
setze sind doch aus der früheren Zeit) eine Spur 
zeigt: dahin gehören Verbrechen wider die Gesund= 
heit, Verletzung der Jntegrität der menschlichen 
Kräfte, und wie man das weiter nennen mag. Da 
kamen ferner Sätze, die ohne belegende Stelle der 
bloßen logischen Entwicklung des Allgemeinen auf 
das Besondere ihre Existenz verdanken, wie z. B. in 
dem für das philosophische und positive Recht gleich 
verdienstlichen Lehrbuche von v. Grolman Crimi= 
nalrechtswissenschaft §. 248: „Bei dem Daseyn 
einer bloßen culpa werden diese Strafen so wie 
überhaupt bei dem Daseyn allgemeiner Milderungs= 
gründe nach den allgemeinen Grundsätzen gemildert 
werden müssen; wodurch ohne alle weitere Unter= 
suchung ausgesprochen würde, daß auch bei Körper= 
verletzungen culpa strafbar sey" — ein wirklich 
neuer Satz! 
Noch weiter geht Tittmann §. 228 seines 
Handbuchs (nach 1ster Ausg.), der sich sehr bemüht, 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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