Full text: Neues Archiv des Criminalrechts (Bd. 8 (1826))

Ueber culpose Körperverletzungen. 
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Verletzungen in der Absicht zu beschimpfen oder zu 
injuriren geschehen, so gehören sie zu den Realinju= 
rien; wenn sie hingegen in der Absicht zu schaden 
beigebracht werden, so ist es eine Verletzung. 
Diese Unterscheidung ist auch theoretisch sehr richtig, 
denn nach der Theorie muß entweder der Thatbe= 
stand der Jnjurie oder des criminis de vi vorhan= 
den seyn, und letzteres ist nichts anderes als vö= 
luntas nocendi durch Gewalt realisirt. 
Derselbe Dorn'sche Commentar erklärt uns auch, 
wie die Verwirrung der rechtlichen Folgen bei Ver¬ 
wundungen durch die Abtheilung der Untersuchungs¬ 
gerichte in Cent- und Vogteigerichte gekommen ist. 
Er beweist historisch, daß nur die Vogtei= oder 
Civilgerichte Verletzungen zu untersuchen und zu be¬ 
strafen haben, die nicht dolose begangen sind, und 
daß, weil man die Absicht zu lädiren nicht vermu¬ 
then dürfe, immer der Civilrichter zunächst compe¬ 
tent sey, und man nicht gleich mit Criminalunter¬ 
suchung vorgehen dürfe. 
Auch Quistorp in seinen Grundsätzen §. 335 
fühlte, daß die Verwundungen eigentlich zu den In¬ 
jurien gehören, aber er stellte die Lehre deshalb be¬ 
sonders auf, weil sie wegen der sich hier nähernden 
Grenzen der bürgerlichen und peinlichen Gerichts= 
barkeit schwierig sey. Uebrigens ist es auch ihm 
nicht eingefallen, auf eine culpose Verwundung eine 
öffentliche Strafe zu drohen. 
So stand die Sache, und wenn auch allerdings 
oft ohne theoretisches Licht, doch ohne groben Jrr= 
— Dieser trat erst mit der neuen Philoso= 
thum. 
Vonage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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