Full text: Juristische Miscellen besonders das preußische Recht betreffend (St. 2 (1804))

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bringen und bei den Vorübergehenden Hülfe zu su¬ 
chen. 
Der Inquisit verminderte die ursprüngliche Tödt¬ 
lichkeit der Verletzung dadurch selbst, daß er den Strick 
lüftete, und es kann daher nur auf den Zustand Rück¬ 
sicht genommen werden, worin er die Beschädigte wirklich 
zurückließ. Ob nun da noch die Verletzung an sich tödt¬ 
lich war, und ob das Leben der Beraubten blos durch die 
zufällige Dazwischenkuft der Mertin erhalten wurde, ist 
zweifelhaft, und mithin der Fall nicht vorhanden, wo man 
mit Gewißheit annehmen könnte, daß das Leben der Be¬ 
raubten durch besonbere Umstände und Zufälle gerettet 
worden sey. Die Strafe des Schwerds kann daher nicht 
eintreten und der Juquisit würde nach §. 1189 nur mit 
funfzehnjähriger Festungsstrafe belegt werden können, wenn 
allein dieser Raub geahndet werden sollte. 
Der außerdem von ihm verübte Straßenraub ist es, 
der im vorliegenden Falle die härtere Strafe nach sich 
zieht. Der Straßenräuber soll, wenn wirkliche Gewalt¬ 
thätigkeiten, jedoch ohne Nachtheil an Gesundheit und Le¬ 
ben, von ihm ausgeübt worden, mit funfzehnjähriger bis 
lebenswieriger Festungs- oder Zuchthausstrafe nebst Will¬ 
kommen und Abschied belegt werden. 
§. 1198. 1. c. 
Der Juquisit beraubte geständlich — und damit 
stimmt die Aussage der Beraubten völlig überein — die 
verehlichte Pietag auf der Landstraße zwischen Potsdam 
und Berlin, nachdem er sie in der Gegend des Dorfes 
Schöneberg in einen Graben geworfen *), ihr, um das 
*) Ist vermuthlich der Graben, der auf beiden Seiten neben 
der Chaussee gezogen ist. 
e 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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