Full text: Juristische Miscellen besonders das preußische Recht betreffend (St. 2 (1804))

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erreicht hatte; und sind sonst keine Anzeigen des ge¬ 
flissentlichen Mißgebährens vorhanden: so soll mit 
weiterer Untersuchung gegen die Gebährerin nicht 
verfahren werden. 
Ist ausgemittelt, daß die Frucht über drei Mona¬ 
te, aber noch nicht dreißig Wochen alt gewesen und 
kann die Gebährerin nicht überführt werden, ihre 
Schwangerschaft schon 14 Tage vor der Entbindung 
gewust zu haben; so hat die Gebährerin dennoch, 
bloß weil sie die Frucht nicht vorgezeigt, Gefängni߬ 
oder Zuchthausstrafe auf 3 bis 6 Monathe verwirkt. 
Diese letzte Gesetzesstelle enthält sämmtliche Bestim¬ 
mungen, des gegenwärtigen Falls ausgenommen, die, daß 
mit Gewißhein nicht constirt, daß die Frucht unter 39 
Wochen alt gewesen. 
Es mußte daher extraordinarie nach dem in diesem 
§ angegebenen Strafmaaße erkannt werden, und ist der 
härteste Grad dieser Strafe deshalb überschritten worden, 
weil die Gewißheit, daß die Frucht noch nicht 30 Wochen 
alt gewesen, eine hier fehlende Bedingung der dort fest¬ 
gesetzten Strafe ist. 
Der §. 961 a. a. O., welcher auf den ersten An¬ 
blick für passend gehalten werden könnte, ist es in der 
That nicht, weil er einmal ein vollständiges Kind und 
dann eine Abolition des Corporis delicti voraussetzt 
welches hier, wo das in die Erde gelegte Kind dem Lau¬ 
fe der Natur nach verfaulen mußte, nicht vorhanden ist. 
Einer unnatürlichen Behandlung ihres Kindes ist In¬ 
quisitin überhaupt nicht verdächtig: denn wenn auch die 
unverehlichte Rieden und Polenz ausgesagt haben, daß 
die Strehlow ihnen bestimmt eröffnet habe, daß das von 
der Conrad gebohrne Kind ein lebendiges gewesen sey, 
dem die Mutter die Nase zugehalten habe, um es am 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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