Full text: Juristische Miscellen besonders das preußische Recht betreffend (St. 2 (1804))

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In den ersten Tagen des Monats November hatte 
sie sich Milch gekocht. Es schien viel Sahne darin zu 
seyn; da sie es aber genauer untersuchte, fand sie eine 
ekelhafte teichigte Materie und ließ die Milch stehen, oh¬ 
ne etwas davon zu genießen. Sie war an dem nehmli¬ 
chen Tage und zu der Zeit, als die Milch auf dem Feuer¬ 
heerde gestanden hatte, auf dem Hofe gewesen, um die 
Hühner zu füttern, und hatte die Küchenthüre offen ge¬ 
lassen. Auf Anrathen des Chirurgus Gaede setzte sie die 
Milch einer Katze vor, die aber nicht davon fressen 
w te. 
Die Kiesel ließ hierauf ihre Nachbarin die Bäcker¬ 
wittwe Jung zu einem Besuche einladen und ihr sagen, 
daß sie sehr krank wäre. Sie zeigte der Jung eine Kaf¬ 
feekanne und einen Milchtopf, worin ein dicker weißer 
Bodensatz lag, und klagte ihr dabei, daß sie am letzten 
Sonnabend eine Mehlsuppe gegessen habe, die ihr nicht 
bekommen sey, und wornach sie sich habe übergeben müs¬ 
sen. Alles dies kam der Jung verdächtig vor; sie drang 
in die kranke Frau, davon Anzeige zu machen, und da 
diese sich nicht dazu verstehen wollte, da sie die rechten 
Wege nicht wisse; so ließ die Jung sich von dem Boden¬ 
satze sowohl aus der Kaffeekanne als aus dem Milchtopfe 
etwas geben, schickte es ihrem Schwiegersohn dem Amts¬ 
chirurgus Rademacher und sagte ihm, daß die Wittwe 
Kiesel sich für vergiftet halte. 
Der rc. Rademacher untersuchte die aus zwei tro¬ 
ckenen Pulvern bestehende Masse, verspürte, nachdem er 
einige Grane auf ein heiß gemachtes Blech geworfen hat¬ 
te, den arsenikalischen Knoblauchsgeruch und schickte den 
Ueberrest an den Apotheker Tefensee zur nähern Prü¬ 
fung. Die Versuche des Tiefensee bestätigten es, daß je¬ 
Volge 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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