Full text: Juristische Miscellen besonders das preußische Recht betreffend (St. 2 (1804))

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Auch Hr. Prof. Ackermann zu Mainz, der mehre¬ 
remale Gelegenheit hatte, an so vielen Guillotinirten 
Beobachtungen und Versuche anzustellen, bemerkte, daß 
es ihm sehr wahrscheinlich sey, daß Empfindung und Be¬ 
wußtseyn nicht gerade mit der Trennung des Kopfs vom 
Rumpfe erloschen, sondern nach derselben noch einige Zeit 
fortdauern, aber nur einige kurze Zeit. 
Wie Aerzte, sagt der Göttingsche Rezensent, der dem 
Hrn. Dr. Wendt völlig beitritt, — wenn sie mit gehöri¬ 
gen Vorkenntnissen versehen sind, Etwas, worauf sich 
schon Lucretius Lib. III. v. 645, als eine bekannte 
Thatsache beruft, als unmöglich zu fassen ansehen können, 
ist schwer zu begreifen *). 
Das Ober=Collegium Medicum ist ebenfalls der 
Meinung des Hrn. Dr. Wendt in dem von ihm an den 
König abgestatteten Gutachten. Auf dem Grunde die¬ 
Gutachtens ist nach eingegangenem Hofrescripte vom 
ses 
3ten März 1804. folgendes Rescript vom Kammergericht 
erlassen. 
Von Gottes Gnaden Friedrich Wilhelm, König 
von Preußen rc. rc. Unsern gnädigen Gruß zuvor. 
Es ist zwar bereits unterm 28sten April v. J. ver¬ 
ordnet worden, daß unter gewissen Einschränkungen gal¬ 
vanische Versuche mit dem Kopfe enthaupteter Personen 
nachgegeben werden können; es ist indessen das Gutachten 
des Ober=Collegii Medici et Sanitatis erfordert worden, 
und da Wir durch dasselbe von der Möglichkeit überzeugt 
worden sind, daß durch dergleichen galvanische oder me¬ 
*) S. Götting. gel. Anz. vom Jahr 1803. Nr. 93. Dec. 
e 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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