Full text: Annalen des teutschen Reichs (H. 2 (1793))

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sogenannten Rogateferien, die vom 5ten bis zum 13ten 
May in diesem Jahre gedauert haben, entfernten alle 
öffentliche Geschäͤfte, nach einmal wohl hergebrachter 
Sitte, vom Reichstage. Am 13ten kam man zum 
ersten Male, nach deren Ablauf, wieder auf dem Reichs¬ 
rathe zusammen, und es war wohl nichts billi¬ 
ger, als daß die ersten Augenblicke, jener frohen Bege¬ 
benheit des Kaiserlichen Hauses gewidmet wurden. In 
den vorigen Zeiten, ward ein solches erlassenes Glüͤck¬ 
wunschschreiben, höchst uneigentlich, mit dem Nahmen ei¬ 
nes Reichsgutachten beleget. Es scheint, man 
bedachte bey diesem Ausdrucke nicht, was man sagte. 
Man darf nur etwas die Begriffe entwickeln, um zu fuͤh¬ 
len, daß diese Benennung, bey einem Falle dieser Art, 
so höchst unpassend sey, als nur irgend eine erdacht wer¬ 
den kann. Es verdienet daher allerdings hier bemerk¬ 
lich gemacht zu werden, daß man das wahrhaft un¬ 
schickliche dieses Nahmens, diesesmal gleich Anfangs ge¬ 
fühlet und dafüͤr die unendlich weit mehr, — eigentlich zu 
sagen — nur einzig und allein passende Benennung, eines 
Allerunterthänig sten Glückwunsch=Schrei¬ 
bens erwählet habe. Dieses Schreiben, welches den 
14. zur Diktatur gekommen und gleich darauf der Behör= 
de zugestellet worden, ist gleichfalls gut gefaßt und zeichnet 
sich, so wie das Hofdekret, in der Reihe seiner ältern 
Bruder vorzüglich aus. Damit war denn diese Angele= 
genheit geendigt- denn bey sonstigen, durch jene frohe 
Begebenheit veranlaßten Festivitäten, die in Regens¬ 
burg 
henen Entledigung der Leibesbürde — ein ge¬ 
wiß wenigstens nicht delikater Ausdruck — Auch in den bey 
solcher Veranlassung erstatteten Glückwunschschreiben 
oder Reichsgutachten, wie man sie getaufet hatte — wie¬ 
derholte man jene Floskel. 
Voeg 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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