Full text: Annalen des teutschen Reichs (H. 2 (1793))

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mer der Meinung, daß die vorige Gesetzgebung hin= 
länglich gewesen und daß es gar keiner neuen bedurft 
habe. Unsere Leser wissen, was die beyden letztern 
Wahlverträge Art. 19. für Zusätze erhalten haben 
Zusätze, die wahrhaftig nach dem Wunsche mehrerer 
Menschen billig wegbleiben sollen. Die alten Verfuͤgun¬ 
gen wahrhaftig waren zur Sicherstellung und Beruhigung 
der Landesherren hinlänglich. Diese konnte man, wenn 
man gegen die Reichsgerichte Klage zu haben glaubte 
erneuern, allein nie so weit gehen, als man gegangen 
ist. Zwar sagt der Herausgeber der gegenwärtigen Ab= 
handlungen, man werde aus diesem Reichshofrathsgutach= 
ten wahrnehmen, daß es mit den Zusaͤtzen nicht so uͤbel ge 
meinet gewesen, allein bey alledem wird der Hauptknoten, 
durch alles dieses, nicht aufgelöset. XV)XVI) Dienst¬ 
fähigkeit Reichsritterschaftlicher Konsu¬ 
lenten. Eine Probe Josephinischer Kabi¬ 
netsjustiz. Der Fürstlich Löwensteinische geheime 
Rath Schmidt, welcher in seinem Leben manche beson= 
dere Fatalität gehabt hat, war als zweyter Syndikus 
in die Dienste des Ritterschaftlichen Kantons Rhön= 
werra getreten. Drey Quartiere waren zufrieden 
nur das Buchische Quartier trat gegen ihn auf und 
bezeugte, daß ein solcher gemeinschaͤdlicher Mann, wel¬ 
cher als Subdelegatus bey der Kammergerichtsvisita¬ 
tion, nicht admittirt werden wollen, auch die Stelle 
eines Syndikus nicht bekleiden könne. Der Reichs¬ 
hofrath kassirte die Wahl. Schmidt vertheidigte 
sich. Der Reichshofrath war nicht einstimmiger Mei¬ 
nung. Die Sache kam vor den Kaiser. Im Kabi¬ 
nete hatte Schmidt keine Freunde, konnte sich also 
zu einer günstigen Entscheidung keine Hoffnung machen 
und Josephs selbst eigne Entscheidung fiel, zur Ehre 
des Kaisers, zum Vortheil des verfolgten Mannes 
aus. 
Staatsbibliothel 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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