Full text: Bibliothek der neuesten juristischen Litteratur (1783, Th. 2 (1784))

vom Jahr 1783. 
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Buͤrgers hat, und dieser gar wohl weiß und wissen muß 
das gemeinschaftliche Wohl, die Erhaltung und 
Beförderung gemeinschaftlicher Ruhe, Sicherheit 
und Ordnung — ein Zweck, der oft sehr hartscheinende 
Mittel erheischet -- muß das nicht auch, und zwar vor¬ 
zuglich in Anschlag kommen?) 3) Sie sey keine Ver¬ 
theidigung des von dem Moͤrder Entleibten. (Das soll 
sie auch so wenig, als irgend eine andere Strafe seyn; 
Vertheidigungsmittel und Strafen sind doch sehr 
verschiedene Dinge.) 4) Einen Verbrecher zur War¬ 
nung fuͤr andere am Leben strafen heisse so viel, als, daß 
jener für die kuͤnftigen moͤglichen Verbrechen anderer 
buͤßen und gleichsam ein allgemeines Suͤndopfer fuͤr sel¬ 
bige abgeben solle. (O nein! Jeder, der in Zukunft ein 
aͤhnliches toͤdliches Verbrechen begeht, wird ja immer 
noch fuͤr sich besonders bestraft. Die Absicht einer War¬ 
nungsstrafe ist ja nicht, zukuͤnftige Verbrechen im vor¬ 
aus zu bestrafen, sondern ihre Zahl mit denen, der oͤffent¬ 
lichen Sicherheit und dem gemeinen Wohl so nachtheili¬ 
gen Folgen zu vermindern.) 
Ueberhaupt will der Verf. keine andere, als auf die 
Besserung des Verbrechers abzweckende Strafen, die 
zugleich mit dessen Erhaltung bestehen koͤnnen, zulassen. 
Er legt dabey 2 Saͤtze zu Grunde: 1) In Faͤllen, wo 
schon die naturlichen schaͤdlichen Folgen eines Verbre¬ 
chens den Verbrecher selbst und alleine treffen, z. E. 
Ausschweifungen in der Wollust; bey Fahrlaͤßigkeit mit 
Feuer, in so ferne der Fahrlaͤßige allen Schaden davon 
hat; soll er vom Staate gar nicht weiter gestraft werden. 
(Diese Regel ist, wie mich duͤnkt, sehr vernuͤnftig.) 2) 
Wo aber die natuͤrlichen schaͤdlichen Folgen eines Ver¬ 
brechens nicht den Verbrecher selbst allein, sondern an¬ 
dere unschuldige Buͤrger treffen, da muͤssen die Gesetze 
diese Folgen von den letztern ab= und auf den Thaͤter selbst 
hinzuleiten suchen, so weit es nehmlich der Natur der 
Sache 
Voage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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