Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1840, Bd. 3 (1840))

Notizenblatt. 
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des Thäters zum Verbrechen werden, dieses auch dem Besteller zuzurech¬ 
nen sey. Z. B. A. beauftragt den B., seine in aufsteigender Linie Verwandte 
zu schänden; hier sey A. der Blutschande mitschuldig. Diese beiden Ent¬ 
scheidungen scheinen mir widersprechend. Ich schließe mich aus den im §. 8 
angeführten Gründen der letztern an. Oder sollte doch zwischen dem Falle, 
wo der A. einen Gewohnheitsdieb, den er als solchen kennt, und dem 
Falle, wo er einen Dienstbothen zu einem Diebstahle von 5 fl. an seinem 
Dienstherrn verleitet, ein solcher Unterschied obwalten, der bewirkte, daß 
ihm im ersten Falle die Eigenschaft des Thäters nicht zugerechnet wird, wohl 
aber im zweyten? Mir scheinen die Fälle ganz gleich. 
S. 29 u. f. werden folgende Fragen aufgeworfen: A. (Dienstbothe) 
befiehlt dem B., den C. (Dienstherrn des A.) zu bestehlen, und zwar im 
Werthe von 6 fl. — Ist der A. Verbrecher? sind es A. und B.? ist es kei¬ 
ner? Der Hr. Verf. erklärt den B. für keinen Verbrecher, worin ihm Ref. 
beystimmt; hingegen erklärt der Hr. Verf. den A. für einen Verbrecher, 
worin Ref. anderer Meinung ist. Denn so viel ist einmahl gewiß, und 
auch der Hr. Verf. hat im §. 30 dieser Abhandlung den Grundsatz aus¬ 
gesprochen und begründet, daß dort, wo die von dem unmittelbaren Thä¬ 
ter unternommene Uebelthat kein Verbrechen begründet, auch von einer 
Mitschuld oder Theilnahme am Verbrechen keine Rede seyn könne. Doch 
von dieser Regel erklärt er den fraglichen Fall als eine Ausnahme. Allein 
warum? Ist ein verbrecherischer Diebstahl begangen worden? Nein; als 
Verbrechen existirt der Diebstahl nicht, der A. wäre somit Mitschuldi¬ 
ger an einem nicht begangenen Verbrechen. Daß man auch nicht von einem 
Versuche eines criminellen Diebstahls sprechen könne, ergibt sich aus der 
mehrfach angeführten Abhandlung des Hrn. Verf. in der Wagner'schen Zeit¬ 
schrift. Noch mehr, in manchen Fällen käme man mit der Ansicht des Hrn. 
Verf. ad absurdum. Man setze den Fall: A. beauftragt den B., einer 
mit ihm (A.) in aussteigender Linie verwandten Weibsperson beyzuwohnen; 
die Beywohnung qualificirt sich gesetzlich (§§. 110, 112, 113, I.) an und 
für sich zu keinem Verbrechen; könnte man nun den A. als Urheber des 
Verbrechens der Blutschande erklären? Nach der Ansicht des Hrn. Verf. 
müßte man es, und doch ist eine Blutschande gar nie begangen worden! 
S. 34 wird die Frage beantwortet, wie der ein gewisses Verbrechen 
Auftragende zu behandeln sey, wenn der Thäter ein von dem aufgetrage¬ 
nen verschiedenes Verbrechen verübt hat. Es wird unterschieden, ob das 
aufgetragene und verübte Verbrechen auf der nämlichen oder auf verschie¬ 
denen Triebfedern beruht. Ist letzteres der Fall, so ist der Auftragende 
schuldlos, bey erstern hingegen schuldig und zwar des aufgetragenen, 
nicht des begangenen Verbrechens. Z. B. A. befiehlt dem B. zu stehlen, 
Max-Planck-Institut für
	        
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