Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1840, Bd. 3 (1840))

Rec. üb.: Kitka's Mitschuld bey Verbrechen. 
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Dieses ist um so augenscheinlicher, wenn der Thäter erst durch die Anlei¬ 
tung des Widerufenden die Mittel zur sichern Verübung des Verbrechens 
zur Flucht oder anderweitigen Abwendung der schlimmen Folgen, oder 
die aus dem Verbrechen fließenden Vortheile kennen gelernt hat; und 
gerade der Umstand, daß er das Verbrechen wirklich begangen hat, beweist. 
daß der Widerruf die beabsichtigte Wirkung, die Aufhebung der Willens¬ 
disposition zum Verbrechen, im Thäter nicht hervorgebracht hat. Daß aber, 
wie der Hr. Verf. S. 8 sagt, dieser Fall gleich sey mit dem, wenn Je¬ 
mand durch scherzhafte Reden die Veranlassung zum Verbrechen gab, scheint 
nicht richtig, denn in diesem Falle war das subjectiv verbrecherische 
Moment, der böse Vorsatz, gar nie vorhanden, wohl aber in jenem. Ich 
werde diesen Fall noch einmahl beym Complott berühren. 
S. 10 wird die Frage beantwortet, wie der Befehlende zu bestrafen 
sey, wenn er die Art und Weise, so wie die Zeit der Ausführung nicht 
angibt? Der Herr Verf. behauptet, er sey so zu bestrafen, wie die Strafe 
auf das vollbrachte Verbrechen nach allen seinen Umständen bemessen ist; 
wenn z. B. der A. dem B. befiehlt, Feuer anzulegen, ohne nähere Bestim¬ 
mung, und der B. verübt das Verbrechen nach §. 138 lit. a, so sey der 
A. des Todes schuldig. — Dieser Ansicht kann ich darum nicht beystimmen, 
weil man dem A. Umstände zurechnen müßte, von denen nicht erwiesen 
ist, daß er sie beabsichtigt hat (F. 396 des Strafgesetzes). Ja, diese Absicht 
läßt sich nicht einmahl mit Grund vermuthen. Denn welche Mittel 
verwilligt vernünftiger Weise Jemand, der einen Auftrag gibt, zu dessen 
Ausführung? offenbar nur jene, die zu derselben nothwendig sind. Ueber 
dieses Maß hinaus läßt sich eine stillschweigende Einwilligung des Auftra¬ 
genden nicht einmahl vermuthen, viel weniger als bewiesen annehmen, 
Ist es nun ein nothwendiges Mittel zur Verübung der Brandlegung, daß 
z. B. der Brand durch besondere, auf Verheerung gerichtete Zusammenrot¬ 
tung bewirkt werde? gewiß nicht. Ich möchte daher die aufgeworfene Frage 
dahin beantworten: der Auftragende habe jene Strafe verwirkt, welche 
das Gesetz auf die Handlung unter jenen Umständen, ohne die die Begehung 
im conereten Falle nicht möglich ist, festgesetzt hat. 
S. 14 u. f. sagt der Herr Verf., daß Umstände, die mit dem Verbre¬ 
chen nichts gemein haben, sondern nur in der Person des Bestellten ihren 
Grund haben, auch nur diesem allein angerechnet werden, ohne Unter¬ 
schied ob der Besteller von diesem Umstande Kenntniß hatte oder nicht; 3. B. 
A. beftehlt dem Gewohnheitsdieb B. 6 f. zu stehlen. In diesem Fallesey der A., 
obschon er wußte, daß B. ein Gewohnheitsdieb sey, nur der schweren Po¬ 
lizehübertretung des Diebstahles schuldig. — S. 27 stellt der Verf. den 
Grundsatz auf, daß, wenn die That bloß wegen eines Verhältnisses 
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Max-Planck-Institut für
	        
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