Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1840, Bd. 3 (1840))

Notizenblatt. 
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sondern noch weniger zu rechtfertigen." War diese Schlußfolge zur festen 
Position gekommen, dann gab sich das Uebrige entweder von selbst, oder 
es mußte sich fügen, mußte sich biegen lassen, oder brechen, um 
die Symmetrie des juridischen Baues nicht zu stören. Welche Gewalt wird 
nur schon dem Sprachgebrauche angethan, um die Worte pauchd und 
„selbste, die in dem §. 609 vorkommen, in gewissen, der Absicht des 
Herrn Verfassers conformen Bedeutungen zu finden! Ich will das gleich auf¬ 
nehmen — das Bindewort pauch" hat, wie der Herr Professor anführt, 
eine doppelte Bedeutung, indem es ein Mahl »sowohl als auch,» und 
dann so viel als: paußerdem noch, dieß noch, sondern auch 
(versteht sich, unter der ausdrücklichen oder stillschweigende Voraussetzung 
von nicht nur allein — sondern auch) bezeichnet. »Beide diese 
Bedeutungen sind dem Bindeworte auch eigenthümlich; aber gewiß ist es, 
daß keine von ihnen Sätze einer Rede auf gleiche Weise verbindet, und 
einen gleichen Sinn derselben ausdrückt. Während das Bindewort auch 
wenn es sowohl als auch heißt, das von einem vorhergehenden Satze 
Ausgesagte auf den nachfolgenden, durch auch verbundenen Satz gleich¬ 
sam nur übertragen wird *), drückt dasselbe, wenn es gleichbedeu¬ 
tend mit überdieß, außerdem noch, nicht nur allein, sondern 
auch genommen werden muß, im zweiten durch das Wörtlein auch ver¬ 
bundenen Satze noch etwas Mehreres verbindend aus. Welche von 
diesen zwey verschiedenen Verbindungsarten das Wörtlein auch, wenn es 
allein steht, bezeichne, wird nicht nur allein nach den philosophischen Aus¬ 
legungsregeln, aus dem Zusammenhange der Worte, der aber gar oft nicht 
sprachrichtig dargestellt wird, sondern vorzüglich aus der Absicht, die einer 
Rede, einem Gesetze zum Grunde liegt, entnommen werden müssen." Nach 
diesen Prämissen, meint der Herr Verfasser, lasse es sich nicht verkennen, daß 
es nicht die Bedeutung von sowohl als auch sey, sondern die andere von 
überdieß, welche das Wörtlein vauch," womit der §. 609 anhebt, haben 
müsse, und der Gesetzgeber nichts anderes sagen wolle, als: »daß die Ael¬ 
tern nicht nur, wie andere Erblasser, fideicommissarisch substituiren kön¬ 
nen, sondern daß sie auch (überdieß, außerdem) noch das Recht 
haben, ihren Kindern, wenn sie zu testiren unfähig sind, einen Er¬ 
ben zu ernennen." Das werde gewiß zugeben, wer bedenkt, »daß die 
Anordnung des §. 609 des a. b. G. B. ganz zwecklos wäre, wenn man 
annehmen würde, daß der Gesetzgeber den Aeltern bloß jene Art der sidei¬ 
commissarischen Substitution sollte eingeräumt haben, wie sie der §. 608 
des a. b. G. B. aufstellt, indem doch deutlich Jedem einleuchten muß, daß, 
*) Soll wohl heißen: überträgt. 
Max-Planck-Institut für
	        
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