Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1840, Bd. 3 (1840))

Rec. üb.: Prockner's Darst. üb. d. letztw. Verfügungsr. d. Aeltern, 247 
freylich der Leser, dem es mehr um die Sache, als um die Form zu thun 
ist, dergleichen Dinge nicht mehr übel, sintemahl und wasmassen 
doch auch der liebe Kanzleystyl sothane und wohl gar noch grellere For¬ 
muln und Licenzen hat, und zwar nicht bloß in Oesterreich, sondern auch 
in jenen deutschen Ländern, wo man in maßloser Selbstüberschätzung auf 
Deutschthum und deutschthümliche Intelligenz wichtig zu thun gewohnt ist: 
doch 
Omne tulit punctum, qui miscuit utile dulci, 
und angenehm ist es fürwahr nicht, auf solche undeutsche Fügun¬ 
gen zu stossen. 
Nun ad merita causae! — Irren wir nicht, so waren es die letz¬ 
ten fünf Worte des §. 609, die den Herrn Professor Prockner zuerst auf 
die oben ausgesprochene Idee gebracht, und zur Aufsuchung der dafür etwa 
annehmbaren Gründe vermocht haben. Immer wieder, wie mit ängstigen¬ 
der Besorgniß, es nicht oft genug sagen, nicht hoch genug hervorheben zu 
können, kömmt er darauf zurück, der §. 609 spreche in jenen Schlußwor¬ 
ten von der Ernennung eines Erben oder Nacherben. Nacherbe und 
Erbe seyen nach der Terminologie unseres Gesetzbuches einmahl nicht Eins 
und dasselbe, und Nacherbe bedeute nur den Substitutionserben. 
Wenn also das Gesetz den Aeltern das Recht einräumt, ihren Kindern 
einen Erben oder Nacherben zu ernennen, so gebe es ihnen neben 
dem Substitutionsrechte — worauf nämlich der Ausdruck „Nacherbe? 
sich bezieht, auch noch das Recht, ihnen einen »Erben" zu ernen¬ 
nen. Wollte man dieses letztere Recht nicht anerkennen, so müsse man auch 
zugestehen, was „man doch vernünftiger Weise nicht annehmen kann, daß 
der Gesetzgeber zwey verschiedene Begriffe, und noch dazu neben einander 
gestellt, in der Lehre von den Substitutionen, in welcher auch der §. 609 
eine Stelle einnimmt, gleichbedeutend aufgefaßt habe. Eine solche auffal¬ 
lend unnatürliche Tautologie wäre nicht nur allein wirklich unerklärbar, 
rung sunfähigkeit nach dem Beyspiele der pupillarischen Substitution quasi¬ 
pupillarisch zu substituiren." (Wohl weiß ich, daß in gewissen Fällen auch „sub¬ 
stituiren" nur mit dem Acusativ gebraucht wird, aber gewiß nicht in dem 
in Frage stehenden Falle.) — Seite 45 wird weiter gesagt: „— zu den 
inneren Ursachen" — zeil. der Testirungsunfähigkeit — „zähle ich auch 
die Unmündigkeit, den Wahnsinn, die Raserey und den Blöd¬ 
sinn (§§. 565, 566, 569 des a. b. G. B.). Auch die Taubstummheit 
ist hierher zu zählen, in so fern dieser Zustand die Kinder hindert, ihre 
Geschäfte (auch Rechtsgeschäfte), zu verwalten (zu besorgen), weil sie dann 
als blödsinnig angesehen werden (§. 275 des a. b. G. B.)." 
17 * 
Max-Planck-Institut für
	        
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