Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1840, Bd. 3 (1840))

Notizenblatt. 
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Erbe das Vermögen als Erbschaft der Aeltern erhalte. Mit andern Wor¬ 
ten; Herr Prof. Prockner meint, wenn ein Ascendent einen testirungsun¬ 
fähigen Descendenten zum Erben einsetzt, wäre es auch, daß er demselben 
nur so viel, oder gar weniger zudenkt, als der Pflichttheil austrägt; so stehe 
dem Ersteren (dem Ascendenten) das Recht zu, denjenigen zu bestimmen 
der als Erbe des Letzteren (des testam. bedachten Descendenten) dasjenige 
erhalte, was, wenn der Descendent in der Testirungsunfähigkeit stirbt 
von dem testamentarisch überlassenen Erbtheile noch vorhanden ist, — doch 
dürfe der Ascendent seinem Descendenten auch eine gemeine oder sideicom¬ 
missarische Substitution machen, nur müsse diese letztere mit Berücksichti¬ 
gung des §. 774 des a. b. G. B. gewürdigt werden. 
Der Herr Verfasser entwickelt diese Idee, die wohl in der Literatur 
unserer österreichischen Juristik für ganz neu gelten mag, in einer Einlei¬ 
tung, worin die ihm bekannt gewordenen verschiedenen Ansichten über die 
im §. 609 enthaltene Norm in genügender Kürze zusammengestellt sind 
und in 69 Paragraphen, von denen der erste sogleich das inhaltschwere 
Gesetz, um das sich's eben handelt, nach seinem vollen, und in einzelnen 
Worten, wie es eben dem Herrn Verfasser zweckmäßig schien, markirten 
Terte, der zweyte aber die daraus hervorgehobenen vier Hauptpuncte ent¬ 
hält, die sofort das Schema der ganzen Abhandlung ausmachen. Lobens¬ 
werth ist diese einfache Anordnung der Materie, die dann auch eine um 
so leichtere Uebersicht gewährt, als der Herr Verfasser, um sich der Auf¬ 
merksamkeit seines Lesers zu versichern, im Verlaufe seines Vortrages an 
zwey verschiedenen über einander liegenden Höhepuncten die Resultate sei¬ 
ner vorhergehenden Untersuchungen wie in ein Panorama zusammenfaßt 
in der Ausführung nicht vom Hundertsten ins Tausendste kömmt, und eine 
einfache, bescheidene, obgleich bisweilen gedehnte und mitunter mit ganz 
eigenthümlichen Constructionen ausgestattete Sprache führt. Zu solchen 
stylistischen Singularitäten gehört z. B. der stete Gebrauch des Wortes 
substituiren mit dem Accusativ, manche höchst sonderbare Verwendung 
der Mittelwörter, mancherley Abundanzen u. dgl. 1). Am Ende nimmt 
203  mdn 
1) „— über ihr solchen Kindern hinterlassendes Vermögen" (S. 2 und 23). 
Ascendenten des testirt habenden Aelterntheiles" (S. 84). „— aus de¬ 
nen man geweckt, und zum erwachten wahren Bewußtseyn gelangt, sich 
nur ärgerlich getäuscht finden kann —" (S. 165) u. dgl. 
Im C. 20 S. 44 heißt es: „Nach römischem Civilrechte begründete anfäng¬ 
lich nur die Unmündigkeit eines Kindes eine Testirungsunfähigkeit hinsicht¬ 
lich dessen Vaters, wenn er dasselbe pupillarisch substituiren wollte. Eben 
so wurde später unter dem Kaiser Justinian der fortdauernde Wahnsinn 
eines Kindes eine Ursache für die Aeltern, dasselbe wegen seiner Testi¬ 
oer —he 
Max-Planck-Institut für 
uropäische Rechlsgeschionte
	        
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