Full text : Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1829, Bd. 1 (1829))

385
Stöger:  jüd.  Bevölk.  in  Galizien.
Von  diesen  enthielten  bloß  die  19  Kreishauptorte,  sodann
Brody  und  Drohobycz  (die  zwey  vorkreichsten  Städte  nächst  Lem=182,443 -

berg)  unter  einer  Gesammtzahl  von
72,396,
Seelen,  eine  Judenzahl  von.
also  mehr  als  ein  Drittel  der  ganzen,  galizischen  Judenschaft;
so  wie  man  drey  Viertel  derselben  auf  die  Städte  und  Märkte
überhaupt,  und  das  letzte  Viertel  auf  die  Dörfer  rechnen  darf  4).
Diese  Zahlen  mögen  allerdings  einiger  Berichtigung  fähig
seyn,  indem  das  tief  gewurzelte  Vorurtheil  der  Israeliten  besteht:
daß  ein  gezähltes  Volk  zu  Grunde  gehen  müsse;  —  womit  sich
noch  manche  andere,  polizeyliche  und  pecuniäre  Gründe  der  Verheimlichung -
  vor  der  Conscriptions=Revision  verbinden  mögen.
Nimmt  man  aber  auch  nur  die  runden,  wohl  ziemlich  sichern
Zahlen  zur  Grundlage  einer  Vergleichung,  so  ergeben  sich  unter
andern  folgende  Resultate:
1.)  In  dem  halben  Jahrhunderte  seit  der  ersten  Conscription
nach  der  Revindication  (1776)  hat  sich  die  jüdische,  gleich  der  christlichen -
  Volkszahl  nahe  an  das  Doppelte  vermehrt.
2.)  Theilt  man  diesen  Zeitraum  ab,  so  ergeben  sich  3  Perioden
von  1778  bis  1797,  d.  i.  21  Jahre,
und
„  1797  „  1819,  „  22  „„ -
  1819  „  1826,
von  welchen  die  zwey  ersten  ungefähr
gleich  sind,  der  letzte  aber
ein  Drittel  der  vorausgehenden  beträgt.  Das  Fortschreiten  der  jüdischen -
  Volkszahl  betrug
in  der  1.  Periode  45,242,  der  christlichen  1,042,531  Köpfe
235,853
13,335,  »
„  „  2.
467,152
32,091,  »
„  „  3.
3.)  In  Vergleichung  mit  dem  Fortschreiten  der  christlichen
Bevölkerung  ergibt  sich  Folgendes:
Sieh  auch  Rohrer's  Statistik  des  öster.  Kaiserthumes,  Wien,
1827,  1.  Band,  S.  302.
Die  Stadt  Lemberg  zählte  a.  1826  52,202  Einw.  darunt.  29,259  J.
18,318  „16,315 -
  „Brody -

»
11,290
3,627  „Drohobycz -
  »
2)  Die,  unverhältnißmäßig  scheinende,  Abnahme  des  Fortschreitens
in  der  zweyten  Periode  —  im  Vergleiche  mit  der  ersten  erklärt
sich  daraus;  daß  während  der  ersten  die  Bucowina  conscribirt
ward,  während  die  zweyte  alle  Kriegsjahre  umfaßt,  worin  auch
die  Judenschaft  mehr,  als  sonst  zum  Kriegsdienste  gezogen  ward;
daß  ferner  während  derselben  häufig  Auswanderungen  der  Juden
in  das  russische  und  türkische  Gebieth  vorkamen,  und  endlich,  daß
der  zamoscer  Kreis  wegfiel,  welcher  schon  im  Jahre  1784
12,077  Juden  zählte.
Bb
Max-Planck-Institut  für
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer