Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1828, Bd. 3 (1828))

Notizenblatt. 
politische Ortsbehörde, oder mittelst Kunstverständiger vorzunehmen 
haben. Da endlich der Versuch eines Verbrechens selbst schon ein Ver¬ 
brechen seyn kann, und daher auch erhoben werden muß; so benützet 
der Verf. die Gelegenheit, über die noch immer streitige Frage seine 
Meinung zu sagen, wann nach Oester. Gesetzen der Versuch als ein 
Verbrechen zu betrachten sey. 
Im sechsten Hauptstücke (von Zeugen überhaupt) ist der Verf. 
endlich bey dem Gegenstande selbst angelanget, welchen der Titel 
seines Buches andeutet. Er bemerket, daß das Untersuchungsverfah¬ 
ren durchgängig auf Zeugen über Thatsachen beruhe, welche der Rich¬ 
ter selbst nicht wahrgenommen hat. Er macht aber zugleich auf den 
großen Unterschied des Zeugenbeweises im Oester Criminal= von dem¬ 
selben Beweise in unserem Civil=Processe aufmerksam, und zeigt, daß 
dieser Unterschied in Preußen, Baiern und Ungarn nicht so durchge¬ 
führet sey, wie es in Oesterreich geschehen ist. 
Das siebente Hauptstück (vom Zeugenverhöre) enthält im We¬ 
sentlichen folgende Fingerzeige. Man vergesse nicht, daß die Menschen 
im Verhöre dieselben sind, wie man sie im gemeinen Leben findet, 
daß sie daher im Allgemeinen auch als solche behandelt werden mus¬ 
sen, wenn man von ihnen die Wahrheit erfahren will. Nur das habe 
der Inquirent vor den Fragern im gemeinen Leben voraus, daß er 
Recht und Macht besitzet, Antwort zu erlangen, und den Versiche¬ 
rungseid fordern kann; doch müsse er auf jene äußere Macht ohne in¬ 
nere (geistige) Ueberlegenheit nicht zu viel bauen. Um die Wahrheit 
von einem Zeugen zu erfahren, sey dreyerley erforderlich: er müsse die 
Wahrheit wissen, was er weiß, sagen können, und auch sagen wol¬ 
len. In der ersten Beziehung erforsche man nach Anleitung der 99. 
251 und 403 c.) des Strafgesetzes sorgfältig, ob der Zeuge nicht et¬ 
wa dasjenige bloß zu wissen glaube, was er sagt, ohne es in der That 
zu wissen. Hierüber ist ein passender Fall aus der Praxis des Verf. 
angeführet. In der zweyten Beziehung sorge der Inquirent, daß er 
von dem Verhörten richtig verstanden werde, und er auch den Zeu= 
gen genau verstehe. Bey der Confrontation der Zeugen mit dem In¬ 
quisiten kommen oft die Fehler des Inquirenten zu dessen Beschämung 
an den Tag. In der dritten Rücksicht gehe man bey dem Verhöre mit 
dem Zeugen in das Einzelne ein, und halte dabey die natürliche Ord¬ 
nung. Zeigt sich Widerwille, die Wahrheit zu sagen; so erforsche man 
den Grund desselben, und suche ihn durch geeignete Vorstellungen über 
die Grenzen der Nächstenliebe, über den Ungrund der Furcht vor 
Nachtheil u. dgl. zu heben. Sehr viel komme auf die Haltung des 
Inquirenten an, ob sie innere, oder bloß äußere Würde verrathe, be¬ 
Max-Planck-Institut für
	        
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