Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1828, Bd. 3 (1828))

Recension ü. Costantini's L'esame dei testim. 
nach, daß es dem Oester. Criminalverfahren keineswegs an aller Oef¬ 
fentlichkeit gebreche; daß bey demselben seiner, von dem Civil=Pro¬ 
cesse verschiedenen Natur wegen, ein besonderer Vertheidiger nicht 
nöthig, möglicher Weise im Ganzen dem Inquisiten sogar schädlich, 
(und in einem gewissen Falle in Oesterreich sogar zugelassen) sey. Er 
macht endlich darauf aufmerksam, daß bey uns in allen wichtigeren 
Criminalfällen das entscheidende Urtheil von einem höheren Gerichte 
gefället wird, bey welchem sich der Inquirent nicht befindet, in min¬ 
der wichtigen Fällen aber die Entscheidung des Gerichtes unterster 
Instanz, bey welchem der Inquirent gewöhnlich referiret und mit¬ 
stimmet, durch den Recurs angefochten werden kann. 
Bey dem vierten Hauptstücke (von der Kunst des Inquirirens) 
rückt der Verf. der Ausführung seines Vorhabens näher, und begin¬ 
net, den Anfängern in der Criminal=Praxis die versprochenen Fin¬ 
gerzeige über das, was bey einer zweckmäßigen Amtsführung Noth 
thut, zu geben. Er erinnert zuvörderst daran, daß die Untersuchungs¬ 
kunst Menschenkenntniß voraussetze. Er empfiehlt daher nachdrück¬ 
lich das Studium der Menschen, jedoch nicht bloß in Büchern, son¬ 
dern vorzüglich an den Menschen selbst im täglichen Leben, und zwar 
so viel möglich, nach ihrer Individualität. Dieses Studium habe 
man bey sich selbst anzufangen, und dann auf Andere auszudehnen, da¬ 
bey aber auf Verschiedenheit des Alters, Geschlechtes, Standes u. s. w. 
zu sehen, besonders aber das Verhalten der Menschen zu beobachten, 
wenn sie eigene oder fremde Handlungen erzählen und beurtheilen. 
Mit diesem Studio der Menschen im wirklichen Leben verbinde man 
dann Lecture, besonders auch von Criminal=Acten, endlich die Pra¬ 
xis selbst in den Gerichtsstuben, welche die fortwährende Schule für 
diese Kenntniß bleiben müsse. Auf diesem Wege werde nach und nach 
die Kunst immer vollkommener erlernet, aus Beschuldigten und Zeu¬ 
gen, ohne körperliche Tortur, durch eine Art geistigen Zwanges die 
Wahrheit heraus zu bringen, vorausgesetzt, daß der Inquirent auch 
ihre Sprache gehörig versteht. 
Das fünfte Hauptstück (von Erhebung des Thatbestandes) schil¬ 
dert dem Anfänger sehr lebhaft die Wichtigkeit und Schwierigkeit die¬ 
ser gerichtlichen Handlung. Als Mittel zur Vorbereitung auf dieselbe 
wird Uebung in Erforschung von Thatsachen im gemeinen Leben em¬ 
pfohlen, äber dabey vor Oberflächlichkeit, Langsamkeit und Fassung 
einer bestimmten Meinung zum voraus gewarnet, wovon der Nach¬ 
theil an wirklichen Fällen nachgewiesen wird. Hierauf folgt eine nä¬ 
here Anleitung über das schickliche Verhalten des Inquirenten bey 
der Erhebung, er mag dieselbe in eigener Person, oder durch die 
Max-Planck-Institut für
	        
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