Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1828, Bd. 3 (1828))

Notizenblatt. 
rigen Untersuchungsverfahren, welches er schon durch das Motto aus 
Cicero mit Grund als eine eigene Kunst bezeichnet, durch die an¬ 
fängliche Unbehülflichkeit des bloßen Theoretikers nicht vereitelt werde. 
(Ein ohne Zweifel richtig gefühltes Bedürfniß, um dessen willen un¬ 
sere Gesetze vor Gelangung zum Strafrichteramte eine längere Praxis 
fordern, bey welcher aber wohl nicht jeder so glücklich ist, in der 
Gerichtsstube selbst einen so wohlwollenden Freund zu finden, als der 
Verf. sich hiet zeigt.) Es ist aber in der Schrift auch noch Manches 
mitgenommen, was mit dem eigentlichen Gegenstande derselben als 
Vorbereitung oder Erläuterung in Verbindung zu stehen schien, be¬ 
sonders wenn es dem Verf. Gelegenheit geben konnte, Vokurtheile 
seiner Landsleute gegen das bestehende Oesterreichische Gesetz über das 
Criminal=Verfahren zu zerstreuen. Daher kommt in dem Buche mehr 
vor, als der Titel desselben erwarten läßt; man könnte sogar, wenn 
man streng seyn wollte, behaupten, daß jenes, was der Titel an= 
kündiget, den kleinsten Theil des Ganzen ausmache. Der Beweis 
dieser Behauptung etgibt sich schon aus der Angabe des Inhaltes 
der acht Hauptstücke des Buches im Allgemeinen. Dasselbe enthält: 
1.) einige Vorbegriffe, als Einleitung; es handelt dann 2.) vom 
Criminal=Processe überhaupt; 3) vom Untersuchungs=Processe, mit 
besonderer Rücksicht auf das Oesterreichische Strafgesetzbuch; 4.) von der 
Untersuchungskunst; 5.) von Erhebung des Thatbestandes; 6.) von 
Zeugen überhaupt; 7) und 8.) endlich von dem Zeugenverhöre. Of¬ 
fenbar würde hiernach ein anderer Titel, z. B.: Betrachtungen über 
das Untersuchungsverfahren in Criminalangelegenheiten, mit beson¬ 
derer Rücksicht auf das Zeugenverhör, dem Inhalte des Buches bes¬ 
ser entsprochen haben. 
Die Einleitung (Hauptstück 1.) enthält im Wesentlichen Folgendes. 
Hauptzweck des Staatsvereins ist Sicherheit der Rechte. Hindernisse 
desselben sind: Unkenntniß der Rechte und Mangel des guten Wil¬ 
lens; dahet die Nothwendigkeit positiver Gesetze und der Gerichte. 
Verletzungen der Rechte aus bösem Willen sind (nach dem Verf.) 
entweder solche, zu welchen der Beleidigte durch seinen Willen bey¬ 
trägt, weil er in Rechtsgeschäften unvorsichtig zu Werke geht, oder 
die richterliche Hülfe nicht suchet, oder solche, die ihm gänzlich ge¬ 
gen seinen Willen widerfahren, z B. Diebstahl, Raub. Gegen 
jene sind eigentliche Civil=Gesetze genügend, welche gewisse Vorsichten 
vorschreiben, wenn die Geschäfte wirksam seyn sollen, nebst Civil-Ge¬ 
richten, welche auf Anrufung Hülfe leisten; gegen diese hingegen 
muß es Strafgesetze mit Strafgerichten geben. Beyde Arten von Ge¬ 
setzen beziehen sich auf Facta, welche, wenn sie bey den Gerichten 
Max-Planck-Institut für
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer