Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1845, Bd. 1 (1845))

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Hauptblatt. 
des Verbrechens selbst, sondern einzelne Umstände, aus welchen erst 
auf die Verübung des Verbrechens gefolgert werden kann, bezeuget, 
auch nicht mehr als eine einzige Anzeigung enthalte. 
Sind aber die Anzeigungen von der Art, daß zum Beweise der¬ 
selben die Aussagen zweier Zeugen gefordert werden, so steht wohl 
nichts im Wege, die Aussagen derselben Zeugen über mehrere Um¬ 
stände als genügend anzunehmen, zumal das Gegentheil im Gesetze 
nicht verordnet wird und durch die Annahme, daß dieselben zwei Zeu¬ 
gen auch mehrere Concursumstände rechtlich beweisen können, auch 
sonst keine Unzukömmlichkeit erwächst. 
Man könnte zwar einwenden, daß, wenn dieselben zwei Zeugen 
alle erforderlichen Anzeigungen erweisen, der gegen den Beschuldigten 
geführte Beweis lediglich auf die Aussagen zweier Zeugen gestützt, 
eigentlich ein Zeugenbeweis wäre; zur Ueberweisung durch den Zeu¬ 
genbeweis wird aber zufolge des §. 409 des St. G. gefordert, daß 
wenigstens zwei beeidete Zeugenaussagen, die die Verübung der That 
selbst bestätigen, vorliegen. Ist dieses nicht der Fall, und bestätigen 
zwei Zeugen blos einzelne Anzeigungen, so können die Aussagen dieser 
zwei Zeugen nicht als genügend zur Ueberweisung des Beschuldigten 
angesehen werden. 
Dagegen muß jedoch bemerkt werden, daß, wenn auch die einzel¬ 
nen Anzeigungen durch dieselben zwei Zeugen bewiesen werden, doch 
nicht behauptet werden könne, daß der geführte Beweis eigentlich ein 
Zeugenbeweis sei, da beim Beweise aus dem Zufammentreffen der 
Umstände nebst den Anzeigungen noch ein drittes Haupterforderniß 
eintreffen muß. Aus der Verbindung der durch die Untersuchung erho¬ 
benen Anzeigungen, Umstände und Verhältnisse muß sich eine so nahe 
und deutliche Beziehung der That auf die Person des Beschuldigten 
ergeben, daß nach dem natürlichen und gewöhnlichen Gange der Er= 
eignisse nicht angenommen werden kann, es habe ein Anderer als der 
Beschuldigte die That begangen. 
Was demnach den Aussagen der zwei Zeugen, welche die Anzei¬ 
gungen erweisen, zur Herstellung des Beweises gegen den Beschuldig¬ 
ten abgeht, wird durch das dritte Concurserforderniß genügend ersetzt. 
Max-Planck-Institut für
	        
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