Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1845, Bd. 1 (1845))

Ueber d. Beweis aus d. Zusammentreffen d. Umstände. 
399 
den des Thäters gemacht, und den Beweis durch einen Zeugen bei 
letzteren immer, bei ersteren nur dann zugelassen hätte, wenn sie mit 
der Vollbringung der That nothwendig zusammenhängen. Dies vor= 
ausgeschickt, dürfte es nun keiner Schwierigkeit unterliegen, jene 
Concursumstände, die durch die Aussage eines Zeugen bewiesen werden 
können, von jenen, welche nicht nothwendig mit der Verübung der 
That verbunden sind, und daher durch zwei Zeugen zu erweisen sind, 
zu trennen. 
Eine nicht minder wichtige Frage, wie die eben behandelte, ist 
auch die, ob die einzelnen Concursumstände durch dieselben Zeugen 
rechtlich bewiesen werden können. 
Auch hierüber enthält das Gesetz keine ausdrückliche Vorschrift, 
daher in der Praxis verschiedene Ansichten bestehen. 
Ich würde unterscheiden: Treffen mehrere Anzeigungen zusam= 
men, die durch die Aussage eines Zeugen bewiesen werden können, oder 
sind zum Beweise derselben die Aussagen zweier Zeugen erforderlich. 
Im ersten Falle genügt die Aussage eines Zeugen keineswegs zum 
Beweise mehrerer Umstände. Jm letzteren Falle können durch diesel= 
ben zwei Zeugen auch mehrere Anzeigungen bewiesen werden. 
Würde man annehmen wollen, daß, im Falle lauter Anzeigun= 
gen zusammentreffen, welche durch die Aussage eines Zeugen bewiesen 
werden, derselbe Zeuge mehrere Umstände rechtlich beweisen könne, so 
könnte der Fall eintreten, daß ein Beschuldigter durch die Aussage 
eines Zeugen, z. B. des Beschädigten, durch den das Vorhandensein 
des Verbrechens und dreier besonderer Umstände dargethan wird, 
überwiesen wird. — Die Aussage eines Zeugen, wenn durch sie auch 
noch so viele Umstände bestätiget werden, bietet lediglich eine Anzei¬ 
gung, eine Wahrscheinlichkeit dar, denn alle Umstände zusammenge= 
nommen, die durch einen Zeugen bewiesen werden, sind doch nicht so 
gewichtig, wie der Umstand, daß der Zeuge die Verübung selbst des 
Verbrechens durch den Beschuldigten gesehen habe — und doch wird 
in diesem letzteren Falle durch die Aussage eines Zeugen zu Folge des 
oft citirten Patentes §. 4 P. 2 nur eine Anzeigung gewonnen. — Jst 
es nun wahr, daß die Aussage eines Zeugen, wenn er die Verübung 
des Verbrechens selbst bestätiget, nur eine gesetzliche Anzeigung darbie¬ 
tet, so ist es auch klar, daß diese Aussage, wenn sie nicht die Verübung 
Max-Planck-Institut für
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer