Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1845, Bd. 1 (1845))

Herbst: üb. d. Verhältniß d. Vernunftrechtes z. posit. Rechte. 249 
jährung und Erbrecht, als für den Standpunct des 
natürlichen Privatrechtes unerweislich, hieher zu beziehen. 
Aber auch in diesem offen und ehrlich einbekannten Resultate 
auf welches bisher noch jedes System des natürlichen Privatrechtes 
geführt hat, ist kein Widerspruch mit den durch das positive 
Recht repräsentirten Wirklichkeitverhältnissen zu finden. 
önn 
Denn ein verschiedener Standpunct, verschiedene Voraus¬ 
setzungen müssen auch zu verschiedenen Ergebnissen führen, 
die sich aber eben so wenig widersprechen, als es unmöglich ist, 
Mannigfaltiges nebeneinander zu denken *). 
Vielmehr vermag man gerade durch diese Anschauungsweise die 
unendliche Mannigfaltigkeit der Rechtnormen, die reiche Fülle der 
Rechtinstitute, die bei der Uebereinstimmung in gewissen Principien 
sich aufdringende durchgängige Verschiedenheit der concreten gesetzli= 
chen Bestimmungen und zwar selbst bei solchen Nationen, die sich auf 
beiläufig gleicher Stufe der Cultur und Civilisation befinden, zu be= 
greifen, und als rechtlich möglich nachzuweisen, wie trotz der Ewig¬ 
keit und Unveränderlichkeit des Rechtgesetzes, und unbeschadet der 
Einheit der Wissenschaft, dennoch das Rechtsleben im Staate und 
zwar nicht blos durch erhöhte Garantien, die für die Privatrechte 
ersonnen werden, sondern auch durch Schaffung ganz neuer Recht= 
institute, einem stetigen Fortschritte und nachhaltiger Entwicklung 
unterliegt. 
Denn nach dieser Auffassung erscheint das Leben und die Ge= 
schichte, erscheinen die Rechtinstitute und Gesetze nicht als matte und 
farblose Abbilder eines sich selbst in seinen Gegensätzen beschauen¬ 
den und eben dadurch sich und diese Gegensätze zur Existenz bringenden 
reinen Denkens; sie erscheinen nicht als in dem todten Gedanken¬ 
schema mit (und zwar nicht einmal realer, sondern blos dialektischer) 
) Wer wird behaupten, der Satz: das Eigenthumsrecht (ohne weitere 
Voraussetzung) schließe das Befugniß in sich, Jeden vom Gebrauche 
der eigenthümlichen Sache auszuschließen, sei falsch, und mit der Erfah¬ 
rung im Widerspruche, weil diese lehre, daß der Eigenthümer sich mannig¬ 
fache Beschränkungen seines Rechtes (und zwar unter gewissen Vor¬ 
aussetzungen auch rechtlich nothwendigerweise) durch dritte Personen 
gefallen lassen müsse. 
Max-Planck-Institut für
	        
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