Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1845, Bd. 1 (1845))

Herbst: üb. d. Verhältniß d. Vernunftrechtes z. posit. Rechte. 247 
die willkürlichsten Veränderungen erlaubte, eben nicht das günstigste 
Prognostikon darbietet 
Kann man nun wohl voraussetzen, daß solchen Männern der 
seit jeher unbestrittene, und stets vor Augen gehaltene Grunsatz: Da 
mihi factum, dabo tibi jus, bei der Methodik des natürli- 
chen Privatrechtes plötzlich abhanden gekommen sei, oder muß man 
nicht vielmehr annehmen, sie werden es als den Beruf dieses Zweiges 
der Jurisprudenz angesehen haben, die in der Wirklichkeit 
vorhandenen Rechtinstitute an dem erfaßten Grundcharak¬ 
ter des Rechtes, jedoch nicht rücksichtlich der Rechtmäßig¬ 
keit ihres Bestandes überhaupt, und insbesondere 
im Staate, sondern den Standpunct und die einmal gestellte Auf¬ 
gabe des natürlichen Privatrechtes consequent einhaltend, nur in der 
Richtung zu prüfen, ob sie auch dann zu Recht bestehen 
würden, wenn Menschen im abstracten Zustande der 
Geselligkeit und unabhängig von einer Staatsge¬ 
walt lebend gedacht werden? 
Und dieses Verfahren ist denn auch wirklich dasjenige, welches in 
fast allen Systemen des natürlichen Privatrechtes, zumal den von 
deutschen Juristen bearbeiteten, beobachtet wird. Sie stellen 
freilich einen obersten Grundsatz der Rechte auf, es ist ihnen aber 
nicht beigefallen, durch Analyse desselben die einzelnen Rechtsgrund¬ 
sätze entwickeln zu wollen, sondern dies geschieht durch Subsumtion 
concreter Thatsachen und Verhältnisse; — und so kann, ohne sich 
irgend zu widersprechen, so muß aber auch verfahren werden, wenn 
einerseits systematische Einheit, andererseits aber Mannigfaltigkeit von 
Rechtregeln erhalten werden soll. 
Bei diesem Verfahren werden keineswegs apriorische Nebelge¬ 
bilde von Rechtinstituten construirt, sondern die in der Wirklichkeit 
vorhandenen in ihrer durch den allgemeinen Sprachgebrauch erkannten 
Wesenheit aufgefaßt, und der Prüfung unterzogen. So werden 
1) Vergl. Henrici in der Einleitung zur dritten Auflage seiner Schrift: 
„Ueber die Unzulänglichkeit eines einfachen Strafrechts¬ 
principes? (Braunschweig 1844), und Hepp in der Vorrede zur zweiten 
Abtheilung seiner „Darstellung und Beurtheilung der deut¬ 
schen Strafrechtssysteme" (Heidelberg 1844). 
Max-Planck-Institut für
	        
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