Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1845, Bd. 1 (1845))

Mikolasch: ü. d. nation. System der polit. Oekonomie. 
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einem bestimmten Staatsgebiete als Staat lebender Theil des Men¬ 
schengeschlechtes eine seiner Thätigkeitsäußerungen, nämlich die wirth¬ 
schaftliche, regeln soll, woraus mit Nothwendigkeit folgt: daß alle 
staatswirthschaftlichen Maßregeln unter der Staatsidee stehen müs¬ 
sen. Kann man sich, fragen wir nun, mit einem solchen Systeme 
nicht vollauf für alle Zeiten, so lange es Staaten geben wird, begnü¬ 
gen? oder was soll man denn noch erwarten? Wir haben die Ueber¬ 
zeugung, daß an dem ganzen Systeme nichts Uebergangsartiges sei. 
Nur einer möglichen Einwendung müssen wir zum Schlusse noch 
begegnen, die man uns aus List noch machen könnte; nach ihm näm= 
lich gäbe es Fälle, wo die Beibehaltung des Schutzzolles schädlich ist. 
So sagt er z. B. S. 503: „Hätte übrigens England seit William 
Pitt wirklich das Schutzsystem als eine unnütze Krücke von sich ge= 
worfen, es stände jetzt unendlich höher als es steht; es wäre seinem 
Ziele, die Manufacturkraft der ganzen Welt zu monopolisiren, viel 
näher gerückt;" und auf der folgenden Seite gibt er dem Dr. Priest= 
ley vollkommen Recht, wenn er sagte, daß mit der Wiederstellung 
des Friedens die Zeit gekommen sei, wo es eben so klug gewesen wäre, 
das englische Schutzsystem abzuschaffen, als es früher klug war, das= 
selbe einzuführen. Wenn man aber das Schutzsystem abschafft, 
muß man doch nach einem anderen handeln, da man unmöglich plan- 
und richtungslos stehen bleiben kann; also folgt doch ein anderes 
System, was das Schutzsystem zum Uebergangssysteme machte. 
Wir müssen hier vor Allem erklären, daß wir das nationale 
System durchaus nicht für gleichbedeutend mit Schutzsystem nehmen. 
Die Bedeutung des Wortes und die Auslegung seiner Gegner haben 
das Schutzsystem zu einem Aggregate von lauter Schutz= und 
Differenzialzöllen gemacht, sie haben sich an die vorgeschlagenen ein= 
zelnen Zollsätze gehalten, und wenn sie gefunden zu haben glaubten, 
daß in irgend einem Falle ein Schutzzoll überflüssig oder ein vorge¬ 
schlagener Tarifsatz zu hoch sei, gleich dem Schutzsysteme das Todes¬ 
urtheil zugerufen. Der Zweck des nationalen Systems der 
politischen Oekonomie ist die Gründung und Pflege einer 
eigenen, selbstständigen Manufacturkraft; als Mittel zu diesem Zwecke 
empfiehlt es die Verstärkung und Vereinigung sämmtlicher Güter¬ 
quellen auf dem Staatsgebiethe, so weit dieselbe zu erreichen möglich 
Max-Planck-Institut für
	        
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