Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1845, Bd. 1 (1845))

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Hauptblatt. 
führbar; es kann somit weder das nationale, noch ein anderes System 
seine Verwirklichung anbahnen. 
Wenn aber auch das nationale System der politischen Oekono= 
mie nicht der Johannes des freien Handelssystems, also kein Ueber¬ 
gangssystem zu diesem ist, — vielleicht ist es ein solches nach 
einer anderen Richtung? Auch dieses glauben wir nicht. 
Es ist noch nicht lange her, daß der Begriff „Staat" auch 
praktisch wurde, und man im Staatsoberhaupte den einzelnen Men= 
schen und das Staatsoberhaupt zu sondern anfing. Wir können sagen, 
erst die neuere Wissenschaft hat dem Staatsoberhaupte jene Würde 
wissenschaftlich erstritten, die das Unterscheidende von einer großen 
Privatmacht bildet. Diese lebendig gewordene Jdee zeigte sich nun 
in dem ganzen Gebiete der Staatswissenschaften thätig und wirkend; 
wie ganz anders mußte jetzt eine Staatengeschichte gegen früher ge= 
schrieben werden, welch' andere Stellung bekamen manche Institute 
seitdem man sie auf die Gesammtheit, nicht mehr auf einzelne bezog; 
wir sprechen jetzt von „Staats=Finanzen" von einer „Regierungs= 
Wirthschaft," von einem „Aerar" oder einer „Staats=Casse," was 
früher die »fürstliche Rentkammer" genannt wurde. Nur die Volks¬ 
wirthschaft blieb fortwährend außer dem Bereiche der Staatsidee, ob= 
schon sie sich politische Oekonomie nannte. Ja es ist noch gegenwärtig in 
Deutschland die gemeine Meinung, daß die Volkswirthschaftslehre 
keine Staatswissenschaft, d. h. daß das wirthschaftende Subject 
kein Staat sei. Diese wunde Stelle des alten Systems war es, die 
List errathen und aufgedeckt hat, er hat nachgewiesen, daß die ganze 
politische Oekonomie eine Staatswissenschaft sei, daß somit alle ihre 
Maßregeln unter der Herrschaft der Staatsidee stehen müssen. List hat 
die Staatswirthschaft erst begründet. Sein System bedarf daher 
keiner anderen Bezeichnung als: das System der Staatswirth¬ 
schaft, oder System der politischen Oekonomie; der Beisatz 
„national" ist durchaus nur Füllwort; denn vor ihm hat es aller¬ 
dings Wirthschaftssysteme, aber keine politischen, keine staats¬ 
wirthschaftlichen gegeben. Man hat sich an seine Schutzzölle ge= 
halten, ihm hierin alle Neuheit abgesprochen, ihn abgefertigt und 
widerlegt; nur dort, wo er unbesiegbar ist, hat man ihn überhört. 
Sein System ist der Jnbegriff von Grundsätzen, wie ein auf 
Max-Planck-Institut für
	        
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