Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1832, Bd. 2 (1832))

Prof. H.: Criminalrechtsfall. 
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d. i. wenn nach Verschiedenheit des Schadens eine größere, 
oder geringere Strafe, wie z. B. beym Diebstahle nach §. 158 
oder 159 ausgemessen werden müßte. Jn unserem Falle kommt 
aber durchaus keine Ursache vor, zu vermuthen, daß der Beschä¬ 
digte seinen Schaden übertrieb. Wenn ferner das Hofdecret 
vom 20. July 1810 ausdrücklich sagt, die lit. a. des §. 404* 
sey auch dann anzuwenden, wenn der eines Verbrechens bereits 
geständige, oder überwiesene Verbrecher einen von dem Beschä¬ 
digten ausgesagten erschwerenden Umstand, z. B. daß das ge¬ 
stohlene Gut versperrt war, in Abrede stellt, folglich es sich 
um die Entscheidung handelt, ob eine gelindere oder schär¬ 
fere Strafe auszumessen sey; so fließt wohl daraus ganz fol= 
gerichtig, daß auch der höher gestohlene Betrag, welcher eine 
schärfere Strafe nach sich zieht, durch die Aussage des Beschä= 
digten als erwiesen erscheint, wenn nicht aus den Umständen 
zu vermuthen ist, die Angabe sey übertrieben. Denn der höhere 
oder mindere Betrag gehört nicht weniger zur Beschaffenheit 
der That, wie der Umstand, ob der Diebstahl an versperrtem 
Gute begangen wurde oder nicht, Wenn also Jemand eines 
Diebstahles überwiesen wurde, welcher an sich bloß die Strafe 
von schwerem Kerker zwischen sechs Monathen und einem Jahre 
nach sich zöge, und dieser Diebstahl durch die Aussage des Be¬ 
schädigten, daß er am versperrtem Gute verübt worden sey 
nach dem ausdrücklichen Wortinhalte jenes Hofdecretes dahin 
gesteigert wird, daß nun auf schweren Kerker zwischen einem 
und fünf Jahren zu erkennen ist; so sehen wir nicht ein, war¬ 
um er nicht auch durch die nähmliche Aussage des Beschädigten, 
daß er über 300 fl. betrug, so weit gesteigert werden könnte, 
daß nun auf fünf- bis zehnjährigen schweren Kerker erkannt 
*) §. 404 lit. a.: vin dem Falle, wo der Beweis der That auf 
eine andere Art nicht möglich wäre, ist der Aussage desjenigen, 
an dem das Verbrechen verübt worden, für zureichend anzuse¬ 
ben, um die Beschaffenheit der That zu beweisen.“ 
Max-Planck-Institut für
	        
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