Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1844, Bd. 3 (1844))

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Notizenblatt. 
nach Abwägung der hauptsächlichsten Gründe für und gegen eine Beschränkung 
der Einfuhr, und mit vorzüglicher Rücksicht auf die Getreide=Einfuhr, der 
vollen Verkehrsfreiheit das Wort gesprochen. „Wenn jedoch die Gesetzgebung im 
Laufe der Zeit von dem natürlichen Wege abgegangen ist, so kann sie nicht plötzlich¬ 
aber sie muß allmälig wieder auf denselben zurückkehren.» Für den Fall, daß nach 
solchen Verhältnissen ein Ausgleichungszoll begründet ist, wird einer mäßigen festen 
Abgabe der Vorzug vor einer mit den Getreidepreisen wechselnden Abgabe einge¬ 
räumt. Mäßig, sehr mäßig, oder für gewisse außerordentliche Fälle suspendirbar, 
müßte eine solche Abgabe allerdings gestellt sein, sonst bleibt der Einwurf Peel's 
aufrecht, daß in schlechtern Jahren ein firer Zoll ein das Getreide vertheuernder 
Uebelstand sei (Unterhaussitzung am 9. Febrnar 1842). In Ansehung des aus¬ 
wärtigen Handels mit Fabrikaten erklärt sich der Herr Verf. im Allgemeinen 
ebenfalls für die Freiheit des Verkehres, und insbesondere gegen ein absolutes 
Prohibitiv=System in Bezug auf die Einfuhr fremder Erzeugnisse (§. 125 
Die nachfolgende Untersuchung über die Zulässigkeit eines mäßigen Schutzsystems 
unterscheidet sich von der List'schen Theorie in so weit, daß auch die Schattenseiten 
dieses Systems hervorgehoben werden (§. 126), daß die Wirksamkeit desselben 
beschränkter und mit Rücksicht auf die übrigen Förderungsmittel der technischen In¬ 
dustrie nur als eine subsidiarische betrachtet, und eine genaue Prüfung des Vorhan¬ 
denseins jener Bedingungen gefordert wird, welche für die Erhebung geschützter 
Gewerbszweige eine natürliche sichere Grundlage bilden, daher auch erwarten las¬ 
sen, daß man sich mit der Zeit einem Systeme größerer Freiheit werde zuwenden 
können (§§. 127 u. 128). Endlich werden die Fälle angedeutet, in welchen das 
Schutzsystem als ein specielles politisches Auskunftsmittel gerechtfertigt erscheint 
(§. 129). Den Schluß der ganzen Abtheilung macht die Beurtheilung einiger im 
Sinne des Mercantil=Systemes in Anwendung gebrachten Förderungsmittel, näm¬ 
lich der Handels=Prämien, Handels=Gesellschaften, Handels¬ 
Colonien, Schiffahrts=Gesetze und der Handels=Verträge (§§. 130 
bis 134). Leitende Gedanken des Herrn Verf. sind hierbei: Keine einseitige Begün¬ 
stigung in der Nation, wenn sie nicht zuversichtlich zum Vortheile Aller erwächst; 
Beachtung der gegenseitigen Interessen zwischen den Nationen. 
Im fünften Abschnitte des II. Haupttheiles wird die »Wechsel¬ 
wirkung zwischen Production und BevölkerungP erörtert. Die ein¬ 
zelnen Gegenstände dieser Erörterung sind: 1. Untersuchung über das Gesetz der 
Volksvermehrung unter Voraussetzung zureichender Existenzmittel, insbesondere 
die betrübende Ansicht von Robert Malthus über das Mißverhältniß zwischen 
Vermehrung der Bevölkerung und Vermehrung der Existenzmittel (§§. 135 u. 136); 
2. die Gegner der Theorie von Malthus und ihre Gründe (S. 137); 3. Prü¬ 
fung dieser verschiedenen Ansichten (§. 138). Dabei unterscheidet der Herr Verf. 
zwischen jungen neu angebauten Ländern und Ländern alter Cultur, und meint, 
daß in den letztern das Vermehrungsbestreben der Bevölkerung in der Regel stär¬ 
Max-Planck-Institut für
	        
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