Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1844, Bd. 3 (1844))

Anz. über Schüz's Grundsätze der National=Oekonomie, 
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strielle Thätigkeit des weniger vorgeschrittenen Volkes zu spornen, die schlummern¬ 
den Kräfte desselben gar nicht erwachen läßt, oder die schon erwachten, aber für 
den fremden Wettkampf noch nicht hinlänglich erstarkten Kräfte niederhält. Wei¬ 
terhin bekennt sich der Herr Verf. zu eben dieser Ansicht. Man vergl. §. 119, 4) 
und §. 128. 
In den nächstfolgenden §§. werden die Hauptarten des Handels bespro¬ 
chen: der Groß= und Kleinhandel (§. 117); der Binnenhandel und der auswärtige 
Handel, und dieser, je nachdem er als Aus= und Einfuhr=Handel, als Durchfuhr¬ 
oder Zwischenhandel erscheint (§§. 118—120). Bei Aufzählung der Vorzüge 
des inländischen Handels vor dem auswärtigen ist nach unserem Dafür¬ 
halten der wichtigste übergangen. Wir finden denselben darin, daß an beiden 
Endpuncten eines inländischen Handelsunternehmens, vermöge des sich in der Regel 
bildenden Wechselverkehres, die inländische produ tive Thätigkeit unterstützt und 
angeregt wird, während beim auswärtigen Handel ein Theil dieser Unterstützung 
und Anregung fremden Producenten zu Guten kommt. Bei Gelegenheit des Aus¬ 
und Einfuhr=Handels (§. 119) beleuchtet der Herr Verf. die Unrichtigkeit der 
mercantilistischen Ansicht über die Handelsbilanz mit großer 
Deutlichkeit und Ausführlichkeit. Hierauf folgt die Untersuchung über die Grund¬ 
sätze der Handelspflege, oder, wie der Herr Verf. sich ausdrückt, über die Frage: 
ob das Princip der unbeschränkten Handelsfreiheit den Vorzug verdiene, oder 
ob der Handel einer den nationalen Interessen entsprechenden Ordnung unter¬ 
worfen werden müsse? Die Untersuchung geschieht mit Rücksicht auf die Abtheilung 
des Handels in inneren und auswärtigen, und in beiden Abtheilungen wieder mit 
Rücksicht auf den Gegenstand des Handels, ob er nämlich in Urproducten oder Fa¬ 
brikaten besteht. In Ansehung des inneren Handels (§. 121) fordert der Herr 
Verf. die möglichst unbeschränkte Berechtigung eines Jeden, mit seinen eigenen Pro¬ 
ducten oder mit inländischen Producten Anderer Handel zu treiben, sobald er die 
Bedingungen erfüllt hat, die Jedem gestellt werden müssen, der zum Behufe der 
Gründung und des Betriebes eines selbstständigen Gewerbes sich in einer Gemeinde 
niederlassen will. Dies gelte zunächst von dem Handel mit Urproducten, wie Ge¬ 
treide, Holz, Wein, Vieh rc. Die Erörterung über den Getreidehandel ins¬ 
besondere führt zu dem Schlusse: „Der Getreidehandel mit seinen wohlthä¬ 
tigen Folgen kann sich nur dann bilden, wenn der Staat sich alles Eingreifens in 
denselben enthält, auf alle Zwangsmaßregeln, wie Preis=Regulirungen u. s w. 
verzichtet, und durch etwaige eigene Getreide=Magazine die Preise nicht zu be¬ 
herrschen sucht.” Eben so wird für den auswärtigen Handel mit Urpro¬ 
ducten als Regel die Entfernung aller hemmenden Einrichtungen aufgestellt 
(9. 122) Die meiste Aufmerksamkeit ist dem Einfuhrhandel gewidmet (C§. 123 
und 124), mit Hinsicht auf den Rechtfertigungsgrund von Einfuhrsbeschränkun¬ 
gen, vum das Inland in Bezug auf die nothwendigsten Lebens¬ 
mittel von dem Auslande unabhängig zu machen.? Auch hier wird 
Max-Planck-Institut für
	        
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