Full text: Österreichische Zeitschrift für Rechts- und Staatswissenschaft (Jg. 1849, Bd. 1 (1849))

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Hauptblatt. 
Alle diese Anstalten verloren ihre Bedeutung und Selbstthätigkeit, 
als Maximilian I. nach dem Beispiele Frankreichs eine allgemeine Post¬ 
anstalt in Oesterreich einführte (1493—1519). 
Wer kann wohl in dieser historischen Entwicklung, welche theilweise 
auch der Herr Verf. S. 6 §. 3 annimmt, einen Grund finden, den Zweck 
der Postanstalt in der Ueberwachung und Leitung des Verkehrs zu suchen*)? 
Klüber sagt in seinem Werke „das deutsche Postwesen" (Erlangen 
1817) mit Recht: „Die Postanstalt ist eine der kostbarsten Perlen in dem 
Kranze bürgerlicher Gesellschaft, eines der wichtigsten Mittel zu Erweckung 
und Erhaltung der Lebenswärme emsiger Thätigkeit der Staatsgenossen. 
Wie das Licht und die Wärme sich verhält zum thierischen Leben, so 
die Schreib= und Buchdruckerkunst, das Geld und die Post, zu dem 
geistigen und geselligen Leben der Menschen in dem Stande der Cultur. 
So arbeitet dann ein Machthaber, der an diesen Postulaten der Cultur 
sich vorgreift, dem Wohlstande der Staaten und Nationen in seinen ersten 
Elementen entgegen." 
Es muß aber vor Allem unserer Regierung bezeugt werden, daß sie 
weder das helle Wasser dieser Perle trübte, noch auch irgend ein Opfer 
scheute, um die Post als reines Mittel der Belebung des Wohlstandes 
und Hebung der Cultur zu erhalten, und auf keinen Staat paßt weniger 
als auf Oesterreich die witzige Bemerkung des Prinzen de Ligne über den 
Mißbrauch der Postanstalt2) in Frankreich. Hiernach glauben wir, daß 
weder die Wissenschaft, noch der geschichtliche Ursprung des Postwesens 
die Ansicht des Herrn Verf. rechtfertigen dürften3). 
’) Sieh über diesen Gegenstand „das deutsche Postwesen,» in geschichtlicher unt 
rechtlicher Beziehung von Carl Stängel, beleuchtet von C. F. Müller, 
Dr. der Rechte. Leipzig 1847. S. 8. „Die Post ist eine unter Aufsicht des 
Staates stehende Anstalt zur regelmäßigen, möglichst schnellen und sicheren 
Beförderung von Nachrichten, Sachen und Personen, deren Benutzung gegen 
feste Tare Jedermann zusteht ......» Wenn hier von Aufsicht des Staates 
gesprochen wird, so ist hierunter die aus der Posthoheit entspringende 
Oberaufsicht und Leitung der Anstalt, ........ nicht aber des Verkehrs 
gemeint. 
s 
2) Cela me plait d'écrire tout simplement par la poste. On est lu par 
son souvrain sans lui addresser la lettre. 
3) Die Wichtigkeit dieses Gegenstandes mag die historische Disgression entschul¬ 
digen, wobei wir keineswegs die Postanstalt als vor der Sündfluth (siehe 
Max-Planck-Institut für
	        
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