Full text: Österreichische Zeitschrift für Rechts- und Staatswissenschaft (Jg. 1849, Bd. 1 (1849))

Hauptblatt. 
letzte Entwicklung dieser Staatsanstalt unter Frankreichs Ludwig XI. 
das Wort. 
Die erste historisch nachweisbare großartige Einrichtung, welche die 
Beförderung von Depeschen in die entfernten Landestheile bezweckte, 
theils durch Frohnboten, theils durch, auf einzelnen Stationen, eigens 
bestellte Reiter, deren jeder seine Station zu machen hatte, war eine 
reine Staatsanstalt. — Von dieser Natur waren die Staatspost des 
Cyrus und anderer persischer Monarchen, deren Xenophon und Herodot 
erwähnen, so wie der Cursus publicus der Römer (vor August reitend, 
seit ihm auch fahrend), angariae et perangariae, welcher dazu diente, 
um Staatsboten, Staatsbeamten bei Dienstreisen, und selbst dem Kaiser 
bei Bereisungen der Provinzen, den Gesandten, so wie für die Fortschaffung 
der baaren Staatseinkünfte in den kaiserlichen Schatz eine schleu¬ 
nige Beförderung zu sichern. Ganz gleicher Natur waren die späteren Ein= 
richtungen Carls des G. (807) *) und vieler Anderer. — Den eigentlichen 
Uebergangspunct für die Staatspost nach Deutschland über die französische 
Gränze muß man jedoch in der Einrichtung Ludwig XI. suchen, welcher 
sowohl den Stations= als auch den Oberstpostmeistersdienst mit eigenen 
Instructionen normirte (1462). Von ihm rühren die Postmeister (maîtres) 
für jede Station, und der Generalpostmeister unter Heinrich dem IV. 
(1608), général des postes genannt, her. 
Niemand wird nach den geschichtlichen Daten in dieser primitiven 
Einrichtung der Staatspost eine Anstalt zur Ueberwachung des Verkehrs 
entdecken. Und wenn gleich der Mißbrauch, welchen selbst die weisesten 
Erfindungen des menschlichen Geistes nicht ausschließen, einen Minister 
wie Richelieu diesen früher nicht geahnten Zweck der französischen Post¬ 
anstalt unterschieben ließ, so war dennoch sein Todestag — 4. December 
*) Eine ähnliche Staatspost findet man noch jetzt in Japan und Sing, nur 
daß den sinesischen Staatsboten gestattet ist, außer ämtlichen Depeschen 
auch Privatbriefe mitzunehmen, was bei den hier bezeichneten, namentlich bei 
dem Cursus publicus der Römer auf das strengste verboten war, indem zu 
solchen sehr seltenen Ausnahmen eigene kaiserliche Erlaubniß (diploma, 
evictio) erforderlich und angeordnet war, daß jeder dagegen handelnde Auf¬ 
seher der Angarien, so wie der hiebei Betheiligte, auf eine entfernte In¬ 
sel verbannt wurde. Siehe Mathias über Posten und Postregale, Ber¬ 
lin, 1832. 
Max-Planck-Institut für
	        
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