Full text: Österreichische Zeitschrift für Rechts- und Staatswissenschaft (Jg. 1849, Bd. 1 (1849))

Anz. üb. Dessary's: Postverfassung. 
weil der Herr Verf. in seiner Vorrede eine wissenschaftliche Dar¬ 
stellung der österreichischen Postverfassung zusagte. — Denn wie wir 
bereits an einem a. O. in diesen Blättern weitläufig entwickelten, hat den 
politischen Wissenschaften, so wie ihren einzelnen Theilen, die ängstliche 
Bestrebung, diese Kunst der Staatsklugheit in die steifen Formen einer 
streng wissenschaftlichen Behandlung ohne alle Noth zu zwängen, 
vielen Abbruch gethan. Zumal es oft, um nur die wissenschaftliche 
Form zu retten, dahin führte, daß man die durch die zufälligen Ereignisse 
als reife gebotenen Maßregeln deßhalb verschmähte, weil sie nicht in das 
einmal angenommene wissenschaftliche System paßten. 
Wir würden vor Allem sehr Anstand genommen haben, die Behaup= 
tung des Herrn Verf. auszusprechen: „daß in dem Rechte der höchsten 
„Polizeigewalt, den Verkehr der Staatsangehörigen zu über¬ 
„wachen und zu leiten, das Recht .... der Posten ruhe." 
Nach unserem Erachten bedarf es dieser wissenschaftlichen Begründung 
des fraglichen Rechtes durchaus nicht, zumal alle Staatslehrer nach dem 
heutigen Standpuncte der Wissenschaft der Postanstalt, als dem wichtigsten 
Beförderungsmittel der Cultur und des Handels (in der Nationalökonomie), 
oder als Regale (in den Finanzen), einen würdigeren Grund anzuweisen 
wissen. Betrachtet man die historische Entwicklung des heutigen Postwe¬ 
sens als Staats= oder Privatanstalt, so werden wir nirgends den Zweck 
der Ueberwachung, wohl aber überall wie billig 1. den der Sorgfalt 
für die Wohlfahrt der Unterthanen, dann 2. der Belebung des Ver¬ 
kehrs und Hebung des Händels leicht erkennen. 
Für den ersten Hauptzweck dieser Einrichtung als Staatsanstalt 
sprechen die Eilboten des Cyrus*) oder Alexanders des Großen, die 
Cursus publici der Römer 2), die drei von Carl dem Großen errichteten 
Postcurse nach Jtalien, Deutschland und Spanien, ja endlich auch die 
1) Nach Xenophon's Angabe ließ er auf Entfernungen, welche ein kräftiges 
Pferd in einem Tage zurücklegen konnte, Botenstationen anlegen, um schleu¬ 
nige Nachrichten in und aus den 127 Satrapien zu senden. — Also die 
ersten historisch nachzuweisenden Poststationen mit Pferd- und Botenwechsel. 
2) Schon vor August hatten die Römer nach Julius Cäsar eine reitende Post 
(Statores). Es befanden sich in gewissen Entfernungen Pferde in Bereit¬ 
schaft, allein ausschließlich für Staatssendungen und Boten. Kaiser Hadrian 
legte einen gemeinsamen Laufwagen an (cursum publicum). 
Max-Planck-Institut für
	        
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