Full text: Österreichische Zeitschrift für Rechts- und Staatswissenschaft (Jg. 1849, Bd. 1 (1849))

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Anz. üb. Maucher's: Quellen der österr. St. G. 
Außer dem literarhistorischen hat dieses Werk aber auch seinen prak¬ 
tischen Werth, wenn dieser auch geringer als der erstere ist. So lange noch 
das gegenwärtige Strafgesetz besteht, ist es für jeden, der sich, sei es vom 
theoretischen, sei es vom praktischen Standpuncte, mit dem Studium des¬ 
selben beschäftigt, von höchster Wichtigkeit, die vielen im Laufe der Zeit 
aufgetauchten Streitfragen, mit ihren verschiedenen Beantwortungen, 
Gründen und Autoritäten dafür und dawider, in so gedrängter Form ge¬ 
sammelt, und nebstbei noch eine nicht unbedeutende Zahl interessanter 
Rechtsfälle erzählt zu finden. Wenn aber einmal die positiven Anordnun¬ 
gen, welche diesen Erörterungen zu Grunde liegen, aufgehoben oder ver¬ 
ändert werden, so hat auch aller Werth dieser Erörterungen ein Ende. 
Was dagegen die Ausbildung oder Neugestaltung unserer Gesetzgebung 
anbelangt, findet sich leider in unserer gesammten criminellen Literatur 
wenig oder gar nichts für diesen Zweck Dienliches, wie es auch bei der 
durchaus hermeneutischen Richtung derselben nicht anders möglich ist; 
und in dieser Beziehung leisten unsere gesammten Schriftsteller nicht 
mehr, als daß sie auf einzelne minder präcis textirte Gesetzesstellen auf 
merksam machen. Denn selbst ihre Abhandlungen über größere Parthien 
des Strafgesetzes, z. B. bösen Vorsatz, Versuch, Mitschuld, Verjährung 
u. dgl., knüpfen streng an den Text des Gesetzes an, und entwickeln sich 
aus diesem, statt den umgekehrten Weg einzuschlagen und aus einer ra¬ 
tionellen Basis eine gesetzliche Anordnung herzuleiten, und deren Ueber¬ 
einstimmung oder Abweichung von der vorliegenden positiven Bestimmung 
näher zu begründen. Und nur auf diesem Wege wäre es möglich gewesen, 
der Zukunft der vaterländischen Strafgesetzgebung auf eine wahrhaft nutz¬ 
bringende Art vorzuarbeiten. 
Doch gehen wir auf das Werk Maucher's selbst über. — Wie 
schon der Titel besagt, zerfällt es in zwei Abtheilungen, deren erste von 
den Quellen, die andere von der Literatur der österreichischen 
Strafgesetzgebung über Verbrechen handelt. Was die erste Abtheilung 
betrifft, so hat sich der Herr Verfasser schon durch sein systematisches 
Handbuch des österreichischen Strafgesetzes rc. als ein so 
tiefer und gründlicher Kenner der Quellen der Strafgesetzgebung gezeigt, 
daß hier die genaueste und umfassendste Darstellung derselben mit vollem 
Rechte erwartet werden kann, und auch gefunden wird. Wenn die zahl¬ 
reichen aufgeführten Gesetzsammlungen, die bis zum 2. December 1848 
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Max-Planck-Institut für
	        
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