Full text: Österreichische Zeitschrift für Rechts- und Staatswissenschaft (Jg. 1849, Bd. 1 (1849))

Hanptblatt. 
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die eigenthümlichen Vorzüge unserer Strafgesetzgebung dem Auslande 
gegenüber hervorheben würde. Dürr und öde liegt das Feld der philo¬ 
sophischen Strafrechtsbehandlung; gerade zehn Abhandlungen (worunter 
sieben von Zeiller) hat die österreichische juridische Literatur seit dem 
Jahre 1809 bis 1848 in diesem Gebiete zur Welt gebracht !), und von 
den noch zu dieser Richtung gehörigen Schriften ist Kitka's Werk: 
„Ueber das Verfahren bei Abfassung der Gesetzbücher 
blos eine geschickte Vertheidigung der specifischen Grundsätze der öster¬ 
reichischen Strafgesetzgebung, und Beidtel ließ seine „Untersuchun¬ 
gen rc." im Auslande drucken. Braucht es noch mehr Thatsachen, um 
das Verdammungsurtheil der endlich verstrichenen Geistesdruckperiode zu 
rechtfertigen, wenn man ihre Wirkung in einem Theile der literarischen 
Bestrebungen sieht, wo es sich um die heiligsten Interessen der Staats¬ 
gesellschaft handelt, und wo die Natur des Gegenstandes schon jede Furcht 
einer Staatsgefährlichkeit verbannen sollte? 
Doch genug von diesem Thema, welches schon so oft berührt, doch 
immer und immer neuen Stoff zu den gerechtesten Klagen gibt. Mau¬ 
cher's Werk wird stets ein schätzbarer Beitrag zur österreichischen Literatur¬ 
geschichte bleiben, und sollte sich in späteren Jahren Jemand über die 
Unproductivität oder Einseitigkeit der österreichischen Juristen wundern, 
so möge er nie vergessen, daß es nicht ihre Schuld war, nichts anders ge= 
leistet zu haben, als was sie leisten durften. In gewisser Beziehung ist 
es wirklich schade, daß der Herr Verfasser seine im Manuscripte vol¬ 
lendete Zusammenstellung der Literatur über den zweiten Abschnitt des 
ersten Theiles des Strafgesetzes, nämlich über das Verfahren bei Ver¬ 
brechen, nicht ebenfalls veröffentlichte; denn es wäre höchst interessant, 
zusammengestellt zu finden, wie unsere Schriftsteller sich abmühten, die 
ungerechtesten Maßregeln des Justizverfahrens als zweckmäßig und gerecht 
darzustellen, in welche Ausführlichkeiten sie sich über die Frage einließen, 
wann und in welchem Maße geprügelt werden könne, durch welche psy¬ 
chologische Zwangsmittel der Beschuldigte in solche Affecte gebracht wer¬ 
den könne, daß er ein Geständniß ablege u. dgl. Eine solche vollständige 
Zusammenstellung der criminellen Literatur bis zu dem Zeitpuncte fort¬ 
geführt, wo eine neue Aera derselben beginnen muß, wäre in literar¬ 
historischer Hinsicht eines der interessantesten Werke, welche je erschienen. 
*) Siehe Maucher Seite 467 u. ff. 
Max-Planck-Institut für
	        
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