Full text: Österreichische Zeitschrift für Rechts- und Staatswissenschaft (Jg. 1849, Bd. 1 (1849))

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XXV. 
141 Darstellung der Quellen und der Literatur der österreichischen Straf¬ 
gesetzgebung über Verbrechen mit Rücksicht auf die deutsche Straf¬ 
rechtswissenschaft und Gesetzgebung. Von Ignaz Maucher, Cri¬ 
minahjustirathe rc. rc. (Wien 1849, bei W. Braumüller. XXXII. 500.) 
Was soll dieses Werk jetzt, im Jahre 1849? was soll es zu einer Zeit, 
wo mit der gänzlichen Umgestaltung der Strafgerichte und des Strafver¬ 
fahrens, auch die Abänderung der Bestimmungen über Verbrechen und 
deren Bestrafung selbst eine dringende, unabweisliche Nothwendigkeit ge¬ 
worden ist? was soll es nützen, zu wissen, wie vielerlei Erklärungen und 
Auslegungen von Anordnungen versucht worden sind, die bald ganz und 
gar aufgehoben sein werden? - Diese und ähnliche Fragen werden 
Manchem bei Ansichtigwerdung des vorliegenden Werkes aufstoßen, und 
nicht ganz mit Unrecht. Deßungeachtet hat aber diese jüngste Arbeit des ge= 
schätzten Herrn Verfassers, welche einen neuen Beweis seines unermüdlichen 
Sammelfleißes liefert, ihren eigenthümlichen Nutzen und Werth. Gerade 
ihr Erscheinen am Abschlusse einer, wie der gesammten geistigen Entwick¬ 
lung, so auch insbesondere der juridischen Literatur feindlichen Periode, 
macht sie für alle kommende Zeiten zur getreuen Uebersicht der Leistun¬ 
gen, an welche sich die tüchtigsten Kräfte unter den theoretischen und prak¬ 
tischen Juristen Oesterreichs einzig und allein wagen durften. 
Es ist schmerzlich, in einer Reihe von mehreren hundert Abhandlun¬ 
gen größeren und kleineren Umfanges, welche in der Mehrzahl auf wei¬ 
ter als ein Vierteljahrhundert zurückreichen, ausschließend und allein die 
hermeneutische Gesetzesbehandlung gepflegt zu sehen; zu sehen, auf welche 
kleinliche Wortklaubereien und Wortdeuteleien sich junge frische Kräfte 
verlegten, da sie in dem in ihnen regen Schaffungsdrange keinen anderen 
Ausweg bahnen durften. Seit Zeiller's stets unübertroffenen Arbeiten 
findet sich kein einziger großer Gedanke, der eine Fortbildung, eine Ver¬ 
besserung der Gesetzgebung anregen, kein Wort, was auf die Fortschritte 
der Strafrechtswissenschaft im Auslande, namentlich in Deutschland, hin= 
weisen, deren wahre Verbesserungen bei uns einheimisch zu machen suchen, 
I. Band. VI. Heft 1849. 
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Max-Planck-Institut für
	        
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