Full text: Sammlungen zu den deutschen Land- und Stadtrechten (Th. 3 (1775))

des Freybergischen Stadt=Rechts. 
schenket, und jeder seiner Nachfolger auch solches bereits besonders bestätiget 
hatten. (x 
Um nun also seine Füße sicher zu den vorhabenden Schritten zu 
setzen, versuchte Marggraf Friedrich, der Freudige, zuförderst unter andern, 
die Freyberger auf sein Vorhaben durch Wohlthaten vorzubereiten, und damit 
auf seine Seite zu bringen. Unterm 27. August 1291. versicherte er, selbige 
bey ihren vor sich gebrachten Freyheiten zu laßen, und als er selbige dadurdh 
ihm schon völlig ergeben gemacht hatte, privilegirte er sie auch noch besonders 
unter eben diesem Jahr und Tage, mit der Befreyung von der Gleiths=Abgabe 
durch gesammte seine Lande (y) wegen ihrer Verdienste, wie die Urkunde aus= 
drücklich saget. Hierdurch hatte Marggraf Friedrich, der Freudige, vollkom= 
men das Vertrauen der Bürger zu Freyberg gewonnen, und es fiel ihm nun= 
mehro ganz leichte, bey selbigen die Ausführung seines Vorhabens auf einen 
Grund zu setzen, worauf jene nichts weniger, als mißtrauisch zu seyn, Ursache 
hatten. Was nun hierzu geschehen, saget eine Urkunde dieses Herrn vom Tage 
der Himmelfahrt Christi 1294. (2) , daß er mit seinen lieben Bürgern zu Frey= 
„berg sich vereiniget, und selbigen die Macht gegeben hätte, sein Recht zu 
„rügen, und zu setzen alles das, was ihm, seinen Bergwerken, und der Stadt 
„Freyberg insbesondere, nützlich wäre. Und dieser Satzung sollte niemand 
„widersprechen." Friedrich versteckte hierinne eine feine Politik. Er hatte die 
geschwornen Bürger zu Freyberg zwar in so weit auf seine Seite gebracht, daß 
selbige sich willig finden laßen sollten, fortan zu Freyberg Recht und Gerechtig= 
keit im Namen des Marggrafen lediglich zu handhaben, schränkte aber solches 
weiter nicht ein, sondern gab selbigen unmittelbar sogleich die Mittel in die 
Hände, aus der Folge Städtischer Freyheit, sich nach eigenen Gesetzen 
zu regieren. „Wenn nun, fähret der Marggraf in angezogener Urkunde fort, 
„nach dem Sinne dieser Verabredung, die Bürger zu Freyberg handeln wür¬ 
„den, sollten selbige seines Schutzes in deßen ganzen Umfange sich versichert 
halten." Um nun übrigens auch den Schein zu entfernen, als ob in eine weit 
ältere Rechts=Befreyung, woran die Marggrafen niemals Antheil gehabt, 
Friedrich etwa Eingriffe zu wagen, Vorhabens seyn möchte, setzte selbiger zum 
Nachdrucke gänzlicher Entfernung dieser Absicht hinzu: „daß sogar diejenigen, 
„welche seine Person beleidigen würden, nach Erkenntniße der Bürger zu Frey¬ 
„berg, verurtheilet werden sollten." Die wahre Absicht dieser Verabred- und 
Satzung war die Verdrängung des Kayserlichen Voigts von dem Mittel der 
ge¬ 
(2) Conferantur Diplomata in OTIIS METALLICIS P. I. p. 284. seq. 
() Dipiomata apud TENZELIUM, in vita Friderici admorsi, Tom. II. MENKENn 
Script. Rer Gerin. et Sax. pag 391. 
(2) Beylage I. Es ist diese Urkunde zwar schon verschiedene male gedruckt. Es 
war aber nöthig, solche hier ganz beyzubringen, weil darinne der Grund der Auf¬ 
kunft des geschriebenen Freybergischen Stadt Rechts zu suchen ist. 
Max-Planck-Institut für
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer