Full text: Sammlungen zu den deutschen Land- und Stadtrechten (Th. 3 (1775))

des Freybergischen Stadt=Rechts. 
haben soll, eine nähere Beleuchtung derselben läßet jedoch in den Ursachen viel¬ 
mehr offenbare Schmälerungen erkennen, welche selbiger an den ursprünglichen 
Freyheiten der Stadt versuchet hatte. Es würde uns leicht fallen, solche aus 
den mehresten der von Heinrichen erhaltenen so genannten Freyheits Briefe der 
Stadt Freyberg zu beweisen, wenn wir nicht damit in eine vorietzo nicht verzeih= 
liche Weitläuftigkeit zu fallen, besorgen müsten. Wir wollen also nur einige 
wenige sich sogleich eindrückende Beyspiele anführen. Moller siehet zwar wohl 
als ein sonderbares Privilegium an, daß Marggraf Heinrich die Stadt Frey¬ 
berg von dem Worf=Zinse, einer Abgabe, welche man noch zur Zeit weiter 
nicht, als unter diesem Namen kennet, befreyet haͤtte. 
Jn der darüber noch 
vorhandenen Urkunde (0) hingegen stehet ausdrücklich, daß die Bürger daselbst 
sich hiervon durch Erlegung einer Summe Geldes losgekaufet hätten, und eine 
gleiche Bewandniß finden wir auch bey einer andern angeblichen Befreyung 
von dem sogenannten Keller-Gelde. (p) Beyde Abgaben hatte also ohnfehlbar 
der Marggraf den Bürgern mit deren Unwillen aufgeleget, und diese, ohnmäch¬ 
tig einen höhern Schutz zu suchen, musten aus zwey Uebeln das geringste wäh¬ 
len, und ihre ehemals, wider aufgezwungene Steuern behauptete Freyheit, vom 
neuen mit Gelde erkaufen. Ferner hatte die benachbarte kleine Stadt Dip¬ 
poldiswalde sich herausgenommen, die daselbst aufgestiegene Bergwerke, nicht 
nur mit ihrem eigenen gebraueten Biere, sondern auch den zum Bergbaue nö¬ 
thigen Malerialien, zu versorgen." Dieses konnten und wollten nun die Frey¬ 
bergischen Bürger nicht leiden. Große Städte dehneten vor Alters ihr Städti= 
sches Zwang= und Verbietungs=Recht auf das Land, nicht über die Dörfer 
allein, sondern auch sogar über benachbarte kleine Städte und Flecken zugleich 
aus, und einen Beweis hiervon finden wir in neuerer Zeit annoch in dem we¬ 
gen des Brau=Wesens im Chur=Creyse errichteten Grimmaischen Vortrage 
vom Jahre 1555. (q) in der Beschwerde der Stadt Wittenberg, daß nach die= 
ser mit dem Anfange und Aufhören des Bier=Brauens zu richten, die benach= 
barten kleinen Städte, Kemberg und Zahne, sich geweigert hätten. Es gab 
jedoch Marggraf Heinrich selbst hierüber keine Entscheidung, sondern die strei= 
tenden Partheyen wählten sich, nach den Vorrechten freyer Fürsten und Ge¬ 
meinheiten, gewiße willkührliche Schiedsrichter, und diese thaten den Ausschlag 
zum Vortheile der Freyberger dergestalt, daß alles Bier und andere Bedürf= 
niße zu den Bergwerken, nirgendwo anders, als zu Freyberg geholet werden 
sollten. Solches bestätigte nun allererst lange Zeit darnach, denn es stehet in 
der darüber ausgefertigten Urkunde, daß verschiedene der dabey gegenwärtig 
B 2 
gewe¬ 
(0) 10H.GOTTLOS HORNIUS, in Henrico illustri, Cod. probat. No. LVII. p. 348. 
(p) IDEM, No. XIII. pag. 305. 
(9 In CODICE AUGUSTEO, Tom.I. p. 1399. 
Max-Planck-Institut für
	        
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