Full text: Annalen der preußischen innern Staats-Verwaltung (Bd. 1, H. 4 = Jg. 1817, Oct. - Dec. (1817))

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schätzbare und nützliche Schrift von allen Polizei= Be= 
amten, ganz besonders aber von denen des executiven 
Dienstes gelesen, beherzigt und benutzt werden möge. 
7. 
Ueber öffentliche Sicherheit, oder von der Sorgfalt des 
Staats, die Privatkräfte gegen die Kraft des Staats 
in einem untergeordneten Verhältnisse zu erhalten. Ein 
Nachlaß von Joseph von Sonnenfels; als An= 
hang zum ersten Bande seines Handbuchs der innern 
Staatsverwaltung. Wien 1817. 188 S. 8. 
Bekanntlich ward Sonnenfels durch überhäufte Amtsgeschäfte 
gehindert, von seinem: Handbuch der innern Staatsver¬ 
waltung mehr als den ersten Theil herauszugeben; vom zweiten 
Bande erschien nur das vörliegende, einem wichtigen Gegenstande 
der höhern Polizei gewidmete, Bruchstück, welches die Nachtheile 
des Uebergewichts der physischen und peruniairen Kräfte einiger 
Staatsbürger; die Schädlichkeit geheimer Verbindungen und Par= 
theien im Staate, die Mittel gegen Aufruhr und Aufstand und die 
Schäblichkeit der Volksreduer und anderer versteckter Volksaufwieg= 
ler behandelt. Die Schriften eines Sonnenfels bedürfen nicht erst 
einer Empfehlung. Rez. hebt des Verfassers Ansichten über einige 
Gegenstände aus. „Die Gesellschaften, sagt er S. 117, so sich mit 
„politischen Erörterungen befassen, schränken ihre Speculation 
„nicht auf das Jnnere ihrer Versammlung und auf ihre Glieder 
„ein; sie suchen ihre Meinungen in Umlauf zu setzen, zur öffent¬ 
„lichen Meinung zu errichten. Sie verfolgen daher in ihren 
„Berathschlagungen die öffentliche Verwaltung Schritt für Schritt 
„und maßen sich über dieselbe einen offenbaren Ephorismus an. 
„Warnender kann Regierungen kein Beispiel aufgestellt werden, als 
„das der Jacobiner. 
Ihre Gesellschaft hatte, wie sie anfangs 
„ankündigte, nur den Zweck, den öffentlichen Berathschlagungen die 
„Gegenstände vorzubereiten und die Wünsche der Nation 
„zur Kenntniß der Nationalversammlung zu bringen. Man sah 
„sehr bald, wie sie diese sogenannten Vorberathschlagungen 
„zur Initiative der Gesetze erhoben, ihre Beschlüsse der Na¬ 
„tionalversammlung als Vorschriften gebieterisch aufdrangen und 
„endlich, nachdem sie den Thron und die Constitution gestürzt, 
„Frankreich unter das Joch des Schreckensystems beugten. Diese 
„Gefahren nahmen so überhand, daß das Directorium jede Gesell= 
„schaft verbieten mußte, die sich mit volitischen Erörterungen be= 
„schäftigte, worin Grundsätze aufgestellt wurden, welche der Consti= 
„tution entgegen." Sehr interessant ist S. 122 ff die Erörterung: 
was eine Verbindung zur geheimen macht? Auch gegen die unbe= 
schränkte Preßfreiheit erklärt sich der Verfasser. (S. 171 ff.) 
Max-Planck-Institut für
	        
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