Full text: ¬Der Waffenträger der Gesetze (Nr. 2. 1801, Febr. (1801))

253 
Februar. 1801. 
1) Daß Herr P. Thaddäus öfters die Taufe als ein zur Selig= 
keit nothwendiges Sakrament behandelte, und nie behauptete, 
sie sey blos Einweihung zum Christenthum. 
2) Daß er statt des num. 2. angegebenen Satzes folgenden 
aufstellte: die Lehre von der allein seligmachenden Kirche 
darf den Kindern nicht so unbestimmt vorgetragen werden, als 
wenn alle Nichtkatholischen oder Protestanten ewig verdammt 
würden, weil man sonst den Keim zur Jntoleranz in ihre 
Herzen senkete. 
3) Daß er sagte: beym Unterricht der kleinen Kinder soll man 
sich der theologischen Kunstwörter enthalten, und gemeinber= 
ständliche Ausdrücke wählen. So dürfte man sie fragen: 
kann der Mensch ohne Beystand Gottes tugendhaft seyn, und 
zur Seligkeit gelangen? anstatt: ist die Gnade Gottes zur 
Seligkeit nothwendig? — Dabey las er uns eine Stelle aus 
einem Buche des katholischen Hofpredigers und Pfarrers 
Werkmeisters, dessen Plan über die Ordnung der katecheti¬ 
schen Materie er uns erklärte. Die Stelle heißt S. 102 
wörtlich so: das Wort Gnade ist im populären Unterricht 
unbequem, und hat selbst in der höhern Dogmatik vielleicht 
zu allen den unseligen Streitigkeiten, die Gnade und Prä¬ 
destination betreffend, Anlaß gegeben. Gnade ist ein jüdi¬ 
scher Ausdruck, und führet den schiefen Nebenbegriff einer 
Willkührlichkeit mit sich, die wohl von den Gunstbezeugun¬ 
gen eines Monarchen abgezogen seyn mag, aber mit dem 
reinen und übermenschlichen Begriffe eines höchstgütigen und 
höchstweisen Gottes nicht wohl vereiniget werden kann. 
4) Daß er in seinen Vorlesungen die Ewigkeit der Höllen¬ 
strafen nie geläugnet, sondern vielmehr öfters behauptet habe: 
die Ewigkeit der Höllenstrafe sey in der h. h. Schrift klar 
geoffenbaret, und werde durch die Vernunft vollkommen ge= 
recht= 
Max-Planck-Institut für
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer