Full text: ¬Der Waffenträger der Gesetze (Nr. 1. 1801, Jan. (1801))

Waffenträger der Gesetze. Januar. 1801. 87 
kunden, mitzutheilen. Durch eben dieses revolutionärische Ge¬ 
setz, wurden nach dem damals angenommenen unseeligen Grund= 
satz, daß man zu allen Aemtern tauglich, wenn man nur ein 
guter Patriot sey, die Avouès (welche durch ein Gesetz vom 20. 
März 1791, statt der Sachwalter und Anwälte bey den neuen 
im Jahr 1790 installirten Tribunalien waren eingeführt worden, 
und in deren gremio man die geschicktesten Juristen fand) ab= 
geschaft und den streitenden Partheyen erlaubt, ihre Klage und 
Antwort, entweder selbst, mündlich oder schriftlich, bey dem 
Gerichte vorzubringen, oder sich durch einen Mandatarius ver= 
theidigen zu lassen. Diese gesetzliche Verfügung hatte die Folge, 
daß ein jeder, wenn er auch weder das Römische Gesetzbuch noch 
den Kaiser Justinian nicht einmal dem Namen nach gekannt, 
noch die lateinische Sprache erlernt hatte, sich in Stand glaubte 
einen Rechtsstreit zu führen und daß geschworne Pfaffen und eine 
Menge Rabulisten sich unter die geschicktesten Rechtsverständigen 
in den Tribunalien mischten. Dem ungeachtet sind mehrere die= 
ser Rechtsverdreher, welche die Bauern ganz unbarmherzig prell= 
ten, auf Begehren des Commissärs der Regierung bey dem Ge= 
richte durch das Strasburgische Zucht=Polizey=Gericht als 
Escrocs (Beutelschneider) condemnirt worden. — Eine andre 
übele Folge obigen Gesetzes war, daß, weil die Mandatarien sich 
ihre Urkunden nicht mittheilten, der Beklagte auch seine Exceptio¬ 
nen vor der Audienz dem Kläger nicht communicirte und dieser 
daher nicht wußte, ob des Beklagten Mandatar ihm Exceptiones 
declinatorias, dilatorias etc. entgegen setzen würde, keiner von 
ihnen vorbereitet vor Gericht erscheinen konnte, woher es denn 
auch kam, daß des Klägers Bevollmächtigter öfters auf seine 
Klage Verzicht gethan hat, sobald er von dem Ungrund dersel= 
ben, durch die vorgebrachten mündlichen Einwendungen überzeugt 
worden, so wie des Beklagten Mandatar denselben hat unverthei= 
digt condemniren lassen, wenn er durch Ablesung der schriftlichen 
Urkunden, worauf die Klage gegründet war, überführt worden, 
daß solche gerecht seyen. Es haben daher die aufgeklürtesten 
Rechtsgelehrten schon lange gewünscht, daß dieses so schädliche 
Gesetz abgeschaft werden möchte. Durch den oben genannten 
Schluß der Regierung, der es zum Ruhm gereicht, daß sie, so 
viel 
Max-Planck-Institut für
	        
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