Full text : Uhrig, Adam Joseph: System des Eherechtes

489  Einspruches -
  vollzogene  Ehe  aber  deßhalb  für  nichtig  erklären,
kann  er  nicht.
3.  Der  Einspruch  des  Papstes.  Dasselbe  Recht,  welches ¬
  dem  Bischofe  bezüglich  der  Ehen  seiner  Diöcesanen  zusteht,
steht  auch  dem  Papste  zu.  Und  es  ist  sogar  eine  allgemein  angenommene ¬
  Meinung  der  Canonisten,  daß  der  Papst  berechtigt  sei,
sein  eingelegtes  Veto  außer  anderen  kirchlichen  Strafen  auch  mit
der  wirksamen  Drohung  der  Nichtigkeit  der  Ehe  zu  begleiten
und  die  gegen  ein  solches  Verbot  geschlossene  Ehe  als  eine  nichtige ¬
  zu  erklären.  5)  Dagegen  unterliegt  es  auch  keinem  Zweifel,
daß  das  Veto  des  Papstes  nur  dann  vernichtend  auf  die  Ehe
einwirke,  wenn  die  Androhung  der  Nichtigkeit  ausdrücklich  damit
verbunden  war.
§.  99.
ß)  Der  ipso  facto  bestehende  Einspruch  der  Kirche.
a)  Wegen  gemischter  Religion.
I.  Zwischen  Katholiken  und  solchen  Schismatikern  oder
Häretikern,  deren  Taufe  gültig  ist,  kany  die  Ehe  zwar  gültig  *)
eingegangen  werden;  es  besteht  aber  seit  den  ältesten  Zeiten  bezüglich ¬
  ihrer  ein  kirchliches  Verbot,  das  ein  aufschiebendes  Ehehinderniß ¬
  begründet.  2)
6)  Cp.  13.  X.  de  desponsatione  impuberum  (IV.,  2.)  Innocentius  III.
Quod  si  contra  interdictum  nostrum  in  praejudicium  ipsius  aliquid  fucrit
attentatum,  id  irritum  esse  decernimus  et  viribus  omnino  carere.  Reiffenstuel ¬
  lib.  IV.  Decr.  XVI.  n.  7.  8.
Pontius,  de  matrimonio.  lib.  6.  cp.  7.  —  Castro  Palao,  de
sponsalibus  disput.  4.  punct.  2.  §.  1.  n.  2.  Reiffenstuel  l.  c.  n.  9.
1)  In  diesem  Punkte  weicht  die  nicht  unirte  griechische  Kirche  von  der  katholischen ¬
  ab,  indem  sie  in  can.  72  des  Trullanischen  Concils  v.  J.  692  die
Ehen  zwischen  Rechtgläubigen  und  Akatholiken  für  null  und  nichtig  erklärte.
Non  licere  virum  orthodoxum  cum  muliere  häretica  conjungi,  neque  vero
orthodoxam  cum  viro  häretico  copulari;  sed  si  quid  ejusmodi  ab  ullo  ex
omnibus  factum  apparuerit,  irritas  nuptias  existimari  et  nefaTium ¬
  conjugium  dissolvi.
2)  can.  16  C.  28.  q.  1.  Ex  concilio  Agathensi  (506)  cp.  67.  Non
oportet  cum  hominibus  h  a  creticis  miscere  connubia  et  vel  filios  vel  filias -
  dare,  sed  potius  accipere,  si  tamen  se  profiteantur  christianos  esse  fu-
            
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